Verehrter Robert Leicht! Zu jenen 7,4 Prozent, die Sie eine "hübsche Stammwählerschaft" der FDP nennen, gehört sicher ein gehöriger Bodensatz nationalliberaler Haideristen. Fragen Sie Hildegard Hamm-Brücher. Ein weiterer Teil firmiert wohl unter dem Etikett der Spaß-Guido-Mobilisten und 18-Prozent-Schuhsohlen-Entertainer. Was bleibt übrig vom seriösen Liberalismus? Sicher weit weniger als 5 Prozent. Und in diesem Potenzial dokumentiere sich die Idee des Liberalismus, "deren Zeit erst noch kommt"?

Eine liberale Konstante im politischen Spektrum mag im 19. Jahrhundert (Paulskirche) bis zum Ende des Kaiserreichs notwendig gewesen sein. Während der Weimarer Republik ist vom politischen Liberalismus wenig Rühmliches zu vermelden gewesen. Und die Geschichte des Liberalismus im Nachkriegsdeutschland ist eine Geschichte von Flügelkämpfen zwischen Rechts- und Linksliberalismus, also zwischen Deutschnationalismus (von Zoglmann über Mende bis Möllemann) und Bürgerfreiheitlichen (von Heuss über Karl Hermann Flach bis Gerhard Baum). Der Rest der Nachkriegs-FDP war (leider) Mehrheitsbeschaffung und Regierungspartizipation. Machtpragmatismus? Ja. -

Philosophie des Liberalismus? Nein.

Fazit: Der Liberalismus als Idee schrumpft auf eine (vielleicht lieb zu gewinnende) Ideologie

die Realität geht über sie hinweg. Schmerzlich - aber nicht zu ändern.

Wolfgang Zick, Alsfeld