Wenn der Wetterbericht Sturm meldet, macht sich in der Hochhauswohnung von Familie Jahn (Name geändert) Panik breit. Alle haben Angst. Vor allem Barbie, die sechsjährige Collie-Schäferhund-Mischung. Schon bei der ersten Böe gerät sie außer sich

kein Zuspruch, kein Trost, nichts hilft gegen ihre panische Furcht. Der Hund verwandelt sich in ein zitterndes Häufchen Elend - und die Familie leidet mit. Bei Unwetter vergisst Barbie sogar, dass sie längst stubenrein ist. Die Familie hat das Badezimmer zu einer Art Panikraum für die Hündin umfunktioniert. Ein mit Decken halbwegs schallisolierter Pappkarton wurde aufgestellt - Sturm und Donner klingen darin gedämpfter, und die Ausscheidungen der Angst sind hier leichter wegzuputzen.

Doch Barbies Panikattacken werden immmer schlimmer. Es muss etwas geschehen: einen schallisolierten Raum einbauen, ausziehen aus dem Hochhaus oder - die schlimmste Möglichkeit - Barbie weggeben? Als letzte Rettung bietet sich ein Besuch beim Tierpsychologen an. Die Familie samt Hund landet in der Praxis der Hamburger Tiertherapeutin Imke Wirth, die - wie so oft in ihrer Sprechstunde - eine Art Verbrechen aus Liebe diagnostiziert: Das menschliche Mitgefühl treibt den Hund immer tiefer in seine Angst hinein. Denn Aufmerksamkeit und Trost signalisieren Lob und verstärken ihn in seinem panischen Verhalten. Nun werden Hund und Herren gemeinsam therapiert. In Gruppensitzungen, mit Übungen, bei Hausbesuchen lernt Familie Jahn, ihrem Hund zu vermittel, dass auch bei Gewitter alles in Ordnung ist. "Ruhe statt Panik verbreiten" lautet die Devise, den Hund "gegenkonditionieren", also ablenken und ihn tüchtig loben, wenn er sich mutig zeigt.

Das hilft? "Angst ist schwer therapierbar, es dauert lange, aber es geht", sagt Imke Wirth.

Die Praxis der Tierpsychologin läuft jedenfalls blendend. Die Kundschaft steht Schlange, teilweise von ratlosen Veterinärmedizinern hierhin verwiesen.

Imke Wirth therapiert auch Tiere aus Heimen, um sie vermittelbar zu machen.

Freimütig bekennt sie, dass dabei die Bezeichnung "Tierpsychologie" nur eine Konzession an den Zeitgeist sei. Es klinge besser als das, was eigentlich gemeint ist: Tierverhaltenskunde.