Dass der Nanoforscher unterm Rastertunnelmikroskop etwas zu sehen bekommt, auch wenn der Kollege niest

dass die Nachbarn einer Wittener Gesenkschmiede in den Mittagsschlaf finden

dass sich die Dampfturbinen eines Atomkraftwerks nicht aus dem Fundament schütteln - das verdanken wir einer ebenso effektiven wie bescheidenen Technik: der Schwingungsdämpfung. Wo sie funktioniert, fällt sie nicht weiter auf, die Abwesenheit störender Schwingungen wird ja als Normalzustand empfunden. Im Sommer 2000 aber sprach plötzlich die ganze Welt über Schwingungen und deren technische Bewältigung: In London wurde feierlich und unter den Augen der Weltöffentlichkeit eine Fußgängerbrücke eingeweiht, die sich elegant zwischen St. Paul's Cathedral und New Tate Gallery über die Themse spannt. Ein äußerst filigranes Bauwerk, die Millennium Bridge von Sir Norman Foster. Nur musste sie leider nach drei Tagen gesperrt werden. Bis zu zehn Zentimeter schwankte sie von links nach rechts, sobald genügend Leute auf ihr unterwegs waren. Manche wurden seekrank. Schnell hatten die Londoner einen Spitznamen gefunden: Wobbling Bridge. Die zerknirschten Konstrukteure aber suchten händeringend nach einer Möglichkeit, das Wobbeln abzustellen.

Den Fachbetrieb für unzulässig Wobbelndes, Hüpfendes, Vibrierendes und sonstwie Schwingendes fanden sie in Berlin-Reinickendorf. Die Firma Gerb Schwingungsisolierungen befasst sich seit beinahe 100 Jahren mit der Bändigung von unerwünschten Amplituden. Gerb versteckte acht horizontal und fünfzig vertikal wirksame so genannte Schwingungstilger an der Unterseite der Brücke. Im vergangenen März marschierten 2000 Probanden im Gleichschritt über die Wobbling Bridge - und nichts wackelte mehr. Jetzt ist das Schmuckstück wieder zugänglich.

"Tilger" sind die technisch am weitesten entwickelten Schwingungsdämpfungssysteme. Sie setzen Gewichte in Bewegung, die sich entgegengesetzt zur Richtung der Hauptschwingung bewegen und diese kompensieren. Richtig angepasst, können sie sogar Wolkenkratzer vor Erdbebenschäden schützen. Einfache und altbekannte Möglichkeiten der Dämpfung sind dagegen Gummi- und Filzmatten oder auch Korkbetten.

Eine nennenswerte Nachfrage nach leistungsfähigen Dämpfern entstand erst (sozusagen amplitudenversetzt) in der Folge der Industrialisierung. Nicht nur Lärm, sondern auch erhebliche Niederfrequenzschwingungen gingen etwa von den riesigen Dampfhämmern großer Schmiedewerke aus. Das belastete Arbeiter, Umwelt und Material gleichermaßen. Unternehmen wie Gerb begannen, solche Hämmer auf Stahlfedern zu stellen.

Leider haben gefederte Massen eine unangenehme Eigenschaft: Nähert sich die Erregerfrequenz der Eigenfrequenz des abgefederten Systems, kommt es zu störenden oder gefährlichen Aufschaukelungen. Ein Schmiedehammer würde bald - ähnlich wie ein Auto ohne Stoßdämpfer auf einer Schlaglochstrecke - abheben.