Hat irgendjemand behauptet, die New Economy sei am Ende? Im Gebäude Nummer 2400 am Bayshore Parkway, in Mountain View, eine Autostunde südlich von San Francisco, ist von einem Technologie-Crash nichts zu merken. Im Foyer des Unternehmens Google stehen knallrote Riesensofas, bunte Plastikbälle und eine Holzeisenbahn. Ein paar Schritte weiter gibt es Massagen für die Mitarbeiter und Snacks vom ehemaligen Koch der Grateful Dead. "Unser Ziel ist nicht, Geld zu verdienen", erläutert Produktchefin Susan Wojcicki, "wir wollen, dass die Leute bei uns Spaß haben."

Demnach ist Google so eine Art Spielplatz, allerdings ein ziemlich erfolgreicher: Das Unternehmen, 1998 von zwei Studenten gegründet, betreibt inzwischen die beliebteste Suchmaschine im Internet. Jeden Tag beantworten Googles Datenserver 150 Millionen Suchanfragen aus aller Welt. Und das lohnt sich offenbar. "Wir schreiben Gewinne", sagt Geschäftsführer Eric Schmidt.

"Und wir reden hier nicht von schlappen ein Prozent." Google liegt damit im neuen Trend im Silicon Valley: Internet-Firmen, die profitabel sind.

Weitere Details behält Schmidt für sich - das Unternehmen ist nicht an der Börse notiert und muss daher keine Auskunft geben. Sicher ist nur, dass Google wächst. Nach Schätzungen von Analysten liegt der jährliche Umsatz zwischen 100 und 150 Millionen Dollar, er hat sich binnen Jahresfrist etwa verdoppelt, und weltweit beschäftigt Google inzwischen 500 Mitarbeiter.

Weitere 50 Stellen sind offen. Seit Monaten häufen sich Meldungen über neue, erfolgreiche Vertragsabschlüsse: zum Beispiel, dass das Unternehmen den Branchengrößen AOL und Yahoo! Suchergebnisse für ihre Seiten liefert.

Die Google-Homepage selbst ist schlicht, weiß und anzeigenfrei - "das gehört zu unseren Markenzeichen", erläutert Chefprogrammiererin Monika Henzinger. Es ist auch eine gute Tarnung: Statt schreiender Werbebanner hat die Firma eine viel geschicktere Art gefunden, Anzeigen zu vermarkten. "Wir wählen die Inserate danach aus, was die Kunden gerade suchen", erläutert Henzinger. Erst neben den Suchergebnissen platziert Google dezente Textanzeigen. Beim Begriff "Kameras" sind es Fotofachgeschäfte, bei "Jamaica" Reisebüros. Offenbar klappt das so gut, dass Google seine Anzeigenkunden bloß dann bezahlen lässt, wenn jemand tatsächlich auf das Inserat klickt. Schätzungsweise zwei Drittel des Umsatzes kommen so zustande, der Rest durch das Weiterverkaufen von Suchergebnissen sowie den Verkauf von Suchmaschinen für interne Netzwerke anderer Unternehmen.

Die zweite Zutat zum Erfolg hatte das Team um die Gründer Sergey Brin und Larry Page von Beginn an mitgebracht: Sparsamkeit. "Wir hatten nie so viel Geld wie unsere Konkurrenz", erinnert sich Susan Wojcicki - deren Garage der erste Firmensitz war. Sergey entwarf das Firmenlogo mit Buntstiften bei sich zu Hause. Die Computerserver sind selbst gebaut und laufen mit dem Gratis-Betriebssystem Linux, die Schreibtische sind zusammengezimmerte Türen vom Baumarkt.