Die Tinte wird dick, will man noch einmal über Günter Grass schreiben, den Primus inter Pares der deutschen Nachkriegsliteratur

Arbeiten über ihn - Interpretationen, Angriffe, Lobpreisungen wie üble Nachrede - füllten, würden sie zusammengefasst, weitaus mehr Bände als sein Werk.

Es ist also alles gesagt? Nicht ganz und nicht alles. Ich will versuchen, die Figura zu zeichnen, die hinter diesem großmächtigen Schaffen von Gedicht, Prosa und bildender Kunst steht

nicht den Mann, der Säle füllt, Radioprogramme und Fernsehsendungen. Den Günter Grass, der - vom Rummel befreit - viele Abende (mit Ute) allein seinen Rotwein trinkt, Pfeife raucht, nur einen Gast zum Gespräch

oft wochenlang "in die Pilze geht". Den Kollegen also. Seltsam, wie der zu verschwinden droht hinter dem Blitzlichtgewitter einer abziehbildgierigen Öffentlichkeit. Günter Grass nämlich war - und ist - ein anteilnehmender Kollege, ein Schriftsteller, dem Leben und Arbeit anderer Autoren wichtig sind. Messbares Indiz dafür ist, wie viel von seinem Vermögen er verschenkt hat

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