Damals gingen West Virginia, Tennessee und Arkansas verloren - weil die Demokraten es sich mit Waffenfreunden verdorben hätten, glauben Parteistrategen heute. Jetzt geben sich die Demokraten waffenmäßig moderat.

Sie wollen niemanden verärgern, nicht mal, wenn der Sniper umgeht.

Nur eine demokratische Kandidatin hat ihren Kurs korrigiert. Sie will Governeurin von Maryland werden, dort also, wo in diesen Tagen die Menschen in Angst und Schrecken leben. Die Frau heißt Kathleen Kennedy Townsend, ist die Tochter des ermordeten Justizministers Robert F. Kennedy und weiß deshalb, was Waffen in Privatbesitz anrichten können. Bis zur vergangenen Woche sprach sie nicht über neue Waffengesetze. Jetzt hofft sie, dass die Angst vor dem Beltway Sniper sie ins Amt trägt. Seit ein paar Tagen greift sie ihren republikanischen Gegenkandidaten wegen dessen Glauben an unumschränkte Waffenfreiheit an. Ihr Widersacher nennt Kennedys Taktik "schändlich". Eine solche Tragödie solle man "nicht politisieren".

Genauso denkt auch Justizminister John Ashcroft, ein Waffennarr und Christenmensch. Während seiner Amtszeit wurden die laxen Kontrollen für Waffenverkäufer weiter verwässert. Und dem Verfassungsgericht hat er jüngst einen Schriftsatz vorgelegt, der das Recht, Waffen zu tragen, weiter auslegt als jede frühere Regierung. Vergangene Woche hat ebenjener Justizminister Ashcroft übrigens beim ermittelnden Polizeichef von Montgomery County angerufen und seine Abscheu über die Mordserie bekundet. Was immer der Polizeichef von der Bundesregierung für die Ermittlung brauche, sagte der Justiminister, könne er haben: "Sie müssen mich nur anrufen."

Das scheint geschehen zu sein. Inzwischen sieht Washington D. C. aus wie eine Bürgerkriegszone.