Eine traumhafte Szene ist es für Harald Schmidt. Gleich fünfmal lässt er sie wiederholen in seiner Mitternachtsshow. Wie Gerhard Schröder im Duell vor den Wahlen auf die Frage, ob Walter Riester auch dem nächsten Kabinett angehören werde, kurz zaudert, um dann kühn zu behaupten: "Ja!" Zurückspulen.

"Ja!" Und weiter, noch dreimal: "Ja!" - "Ja!" - "Ja!"

Alle reden vom Gewinnen, wir nicht: Riester zählt zu den großen Verlierern, ähnlich wie sein Kabinettskollege Werner Müller oder wie Herta Däubler-Gmelin. Leise verloren hat Christine Bergmann, auch wenn sie von sich aus ausschloss, als Familienministerin zurückzukehren ins Kabinett.

Spektakulär verloren hat Friedrich Merz, der gern Fraktionschef geblieben wäre. Verloren hat Rezzo Schlauch, der im Parlament bisher an der Spitze der Grünen-Fraktion stand. Auch Kurt Bodewig - der Verkehrsminister - ist ein Verlierer der letzten Sekunde, selbst wenn er nicht so tief fällt. Aber das schreibt sich leicht hin. Denn, wer will schon als "Verlierer" gelten?

Harald Schmidt hat jedes Recht, das Kanzler-Ja in Ton und Bild zu repetieren.

Nur, dem Bild vom schnöden Macher, der "Ja!" sagt, aber "Nein!" meint, widerspricht es dann wieder, wenn Gerhard Machiavelli, wie Augenzeugen berichten, unübersehbar Tränen in die Augen treten, während Riester gerade erläutert, weshalb er selbstverständlich, wenn der Kanzler das wünsche und es einem höheren Zwecke diene, sein Amt zugunsten eines "Superministers" aufgebe.

Lothar Späth übrigens, von dem man ja meinen könnte, er sei mindestens so sehr "Verlierer" wie Walter Riester, denn er sollte angeblich in einem Stoiber-Kabinett Superminister werden, trat jüngst bei Sabine Christiansen als strahlender Kriegsgewinnler auf. Späth verkörpert den strukturellen Sieger, den Mann der jeweils ersten Stunde, den Sieg als Prinzip. Das ist hochmodern.