die zeit: Welche Rolle spielen kulturelle Unterschiede am Arbeitsplatz?

Andreas Bittner: Eine unterschätzte. Trotz aller Globalisierung gibt es große Unterschiede beim Diskussionsverhalten, beim Entscheidungsverhalten, in der Führungskultur. zeit: Wenn in einer deutschen Firma der Chef Amerikaner ist, was ändert sich dann?

Bittner: Der Chef misst den Deutschen an seinen amerikanischen Erwartungen und wird oft frustriert: Deutsche beginnen bei der Darstellung eines Problems häufig mit gründlichen Analysen, erst dann schlagen sie eine Lösung vor.

Amerikaner halten lange Problemanalysen für Zeitverschwendung. Sie wollen schnell wissen: Was sind die Konsequenzen, was die Lösungen? Auch das unterschiedliche Zeitverständnis schafft Probleme. Wenn in Deutschland Entscheidungen wichtig sind, werden sie gründlich vorbereitet: Je wichtiger die Entscheidung genommen wird, desto länger dauert sie. In Amerika dagegen ist wichtig fast ein Synonym für eilig. Erst wird vorgeprescht, dann nachjustiert. Da gilt der Satz aus dem Militär: Shoot first. Aim later.

zeit: Wo tauchen noch Probleme auf, wenn Deutsche unter amerikanischen Chefs arbeiten?

Bittner: Besonders frustrierend ist es, wenn Sie mit Ihrer Berufserfahrung Ihren amerikanischen Chef davor warnen, dass etwas hier in Deutschland nicht so gehen wird, wie er sich das vorstellt. Da neigen amerikanische Chefs zu der Haltung: Wenn Sie sagen, es geht nicht, heißt das, Sie können es nicht - und suchen sich jemanden, der es zu können behauptet. Auch der Umgang mit Feedback ist anders. Wenn ein amerikanischer Chef nach einer Präsentation sagt: "Thank you for your good presentation" - dann ist das das Unterste, was er vor anderen sagen kann. Der deutsche Mitarbeiter denkt, er wird gelobt und von seinem Chef geschätzt. Prinzipiell sind die Amerikaner mit Feedback sehr großzügig.

zeit: Das scheint bei japanischen Chefs eher umgekehrt zu sein ...