die zeit: Wenn ich heute 50 Bewerbungen rausschicke, ist es keine Seltenheit, dass ich auch 50 Absagen erhalte. Wie gehe ich damit um?

Ingo Hohn: Ich muss mir klar machen, dass diese Quote heute leider Standard ist. Das liegt nicht an meiner persönlichen Unfähigkeit. Die wirtschaftliche Situation ist miserabel, da kann ich noch so tolle und kreative Bewerbungen schreiben.

zeit: Auf was kann ich denn von vornherein achten, um die Zahl der Absagen zumindest einzugrenzen?

Hohn: Wichtig ist es, sich im Vorfeld ein Kompetenzprofil zu erstellen. Was kann ich? Was will ich? Ein Hochschulzeugnis sagt im Allgemeinen wenig über die persönlichen Fähigkeiten aus. Am besten nehme ich ein Blatt Papier und schreibe alle meine Erfahrungen und Fähigkeiten auf, auch aus Praktika oder Nebenjobs. Dann muss ich mir sehr klar überlegen, auf welchen Job ich passe, und eine individuelle Bewerbung schreiben. Bloß keine Standardschreiben abschicken. Initiativbewerbungen sind nur dann sinnvoll, wenn ich telefonisch den ersten Kontakt herstelle und mich nach Arbeitsmöglichkeiten erkundige.

Die klassische Blindbewerbungsmappe landet heute regelmäßig im Papierkorb.

zeit: Und wenn mich trotzdem nicht mal einer zum Gespräch einlädt?

Hohn: Auf jeden Fall nicht herumsitzen und resignieren, auch wenn es schwer ist. Dass ist ja der fatale Teufelskreis: Je mehr Absagen kommen, desto motivationsloser wird man. Schlimmstenfalls endet das in Depressionen. Darum ist es wichtig, irgendetwas zu tun. Sei es ein Nebenjob oder ein Praktikum, auch wenn es unterbezahlt ist. Man muss am Ball bleiben. Als Nächstes kann man sich dann überlegen, ob man nicht in einem ganz anderen Bereich arbeiten kann. Ich kenne einen Architekten, der ist jetzt Berufsschullehrer. Es gibt zwar zurzeit wenig Jobs, aber es gab noch nie so viele Berufsbilder wie heute. Und dann gibt es immer noch die Möglichkeit der Selbstständigkeit.