Isolation, Selbstzweifel, Orientierungslosigkeit - diese Symptome weisen klar auf eine Erkrankung hin: Doktorand im fortgeschrittenen Stadium. Zur Prophylaxe wie zur Therapie bieten Verlage Promotionsratgeber als Arbeits- und Lebenshilfen für den gestressten Akademiker.

Der Aufbau dieser Ratgeber folgt meist demselben Muster: Themenfindung, Kontakt zum Doktorvater, Recherche, Schreibprozess, Präsentation. Und der neueste Trend: die psychische Belastung. So legt Helga Knigge-Illner in ihrem Buch Der Weg zum Doktortitel - Strategien für die erfolgreiche Promotion besonders viel Gewicht auf die Ängste und Unsicherheiten, mit denen Doktoranden zu kämpfen haben. Die Autorin, die an der FU Berlin Promovierende psychologisch berät, schildert mit immer neuen Beispielen von "Janines" und "Peters", wie hart und steinig der Weg zum Doktortitel werden kann. Der Stil erinnert ein wenig an Ratgeber wie Endlich Nichtraucher oder Acht Kilo in acht Tagen. Während eine Reihe von Tipps zu allgemein oder schlicht banal sind wie zum Beispiel der grau unterlegte Merksatz "Die Zeit, die Sie für Ihre Promotion aufwenden, ist ein Teil Ihrer - endlichen! - Lebenszeit", helfen die Techniken für die lebendige Gestaltung des Schreibprozeses weiter.

Und wer tatsächlich an seinen wissenschaftlichen Tageskämpfen zu verzweifeln droht, wird sich von Helga Knigge-Illner bestens getröstet fühlen.

Promovieren mit Plan ist sehr detailliert gegliedert. Der Ratgeber bemüht sich, verschiedene Zielgruppen gemäß ihren Bedürfnissen zu bedienen.

Promovierende Hausfrauen, Stipendiaten oder Feierabend-Doktoranden, um nur ein paar Beispiele zu nennen, sind verschiedenen Gruppen zugeordnet und müssen sich in den Kapiteln jeweils nach ihrer Gruppennummer orientieren.

Dieses Nummerierungssystem aber stört den Lesefluss, zudem sind viele Aussagen von zweifelhaftem Erkenntniswert. So erfährt der Leser beispielsweise, dass ein selbst gewähltes Thema "meist etwas mit der Person zu tun (hat), die es bearbeitet".

Die Promotion in Kultur-, Kunst- und Medienwissenschaften richtet sich an externe Doktoranden, also solche, die nicht am Lehrstuhl eines Professors arbeiten. Angereichert mit Zitaten berühmter Denker und vielen Hinweisen zur weiterführenden Lektüre ist das Buch eher ein intelligent und gründlich ausgearbeiteter Aufsatz zum Thema Promotion. Interessante Betrachtungen, die dem kulturwissenschafltichen Einzelkämpfer den Rücken stärken, machen den Ratgeber lesenswert.