die zeit: An der Universität Kiel suchen Sie nach den "E-Commerce-Gewinnern" von Deutschland. Ist das nicht ein etwas exzentrisches Forschungsprojekt, zwei Jahre nach dem Techno-Crash?

Björn Schäfers: Um da nicht die Perspektive zu verlieren: Auf die allermeisten Unternehmen trifft immer noch das Klischee vom Dotcom-Unternehmen zu - kurz vor der Pleite. Aber wir verfolgen etwa zwei Dutzend deutscher Unternehmen, die seit über einem Jahr erfolgreich sind: vom antiquarischen Buchmarkt Abebooks über die Suchmaschine Metaspinner bis zum Erotikdienst Visit-X. Da gibt es bestimmt noch etliche mehr. Zum Teil aber sind sie nicht einmal in der Szene selbst bekannt.

zeit: Und mit "erfolgreich" meinen Sie echte schwarze Zahlen?

Schäfers: Genau, und wir legen sogar strengere Kriterien an als reine Profitabilität. Erfolgreiche Unternehmen müssen für uns auch einen positiven Cashflow haben und gute zweistellige Wachstumsraten.

zeit: Machen diese Unternehmen etwas richtig, das die Mehrheit der Dotcoms falsch gemacht hat?

Schäfers: Auf den ersten Blick hatten wir Schwierigkeiten, eindeutige Erfolgsfaktoren zu isolieren. Unter den Erfolgreichen ist quasi jede Branche vertreten - Bücherversand, Autoverkauf, Finanzdienstleistungen, Auktionen, Reisen. Der Zeitpunkt des Markteintritts scheint ebenfalls irrelevant zu sein: Einige Unternehmen sind seit 1995 dabei, andere erst seit 2000. Es gibt kleine und große Firmen und die unterschiedlichsten Geschäftsmodelle: Marktplätze wie das Auktionshaus eBay, Makler wie das Reisebüro Expedia, Online-Preisvergleiche wie Guenstiger.de ...

zeit: ... aber es gab noch einen zweiten Blick ...