Schäfers: Ja, als wir begannen, uns konkret mit der Betriebsführung dieser Unternehmen auseinander zu setzen. Der wichtigste Faktor ist offenbar, dass die Unternehmen wenig physischen Kontakt mit ihren Produkten oder ihren Kunden haben - so genannte low touch-Geschäfte (Geschäfte ohne anfassen). Sie laufen von der Bestellung bis zur Lieferung elektronisch ab: Unternehmen, die digitale Videos liefern, Klingeltöne fürs Handy oder die nur als Vermittler auftreten.

zeit: Weil das sehr billig ist?

Schäfers: Ja, diese Unternehmen mussten keine Läden, Lager oder Versandzentren aufbauen. Kosten sparen ist ein ganz wesentlicher Erfolgsfaktor. Erfolgreiche Dotcoms in Deutschland halten ihre Marketingausgaben im Rahmen und achten sehr streng darauf, dass diese etwas bringen - viele Firmen sind ja deswegen in die Pleite gegangen, weil sie teure TV-Kampagnen mit zweifelhafter Wirkung fuhren.

zeit: Spielen die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Markt eine Rolle?

Schäfers: Nein, und so groß sind diese Unterschiede auch gar nicht mehr. In den USA begann das Dotcom-Fieber etwa 1995 und in Deutschland erst drei Jahre später - aber zur Jahrtausendwende war es schon so, dass neue amerikanische Geschäftsmodelle gleich drei Wochen später bei uns umgesetzt wurden.

Inzwischen machen einige deutsche Unternehmen den Amerikanern sogar etwas vor: Der große US-Anbieter für Preisvergleiche, Dealtime, ist in Deutschland mit über 60 Mitarbeitern und großem Marketingbudget angetreten. Aber der Konkurrent Guenstiger.de aus Hamburg ist mit zehn Leuten und etwa 500 Euro für Marketing in drei Jahren zum erfolgreichsten Dienst dieser Art in Deutschland aufgestiegen - und ist im Gegensatz zur US-Konkurrenz rentabel.

Björn Schäfers ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Innovation, Neue Medien und Marketing an der Universität Kiel