Früher, als es noch Gentlemen gab in der Politik, war das so: Wenn im Bundestag abgestimmt wurde, hatte die Regierungskoalition immer eine Mehrheit - auch wenn sie einmal keine Mehrheit hatte. Ja doch, denn die Opposition nahm Rücksicht. Wenn der Regierungsabgeordnete Müller zum Beispiel krank war oder auf Reisen, schickte die Opposition den Abgeordneten Meier nach Hause - schon waren die alten Mehrheitsverhältnisse wiederhergestellt. Pairing hieß das Verfahren, kein geschriebenes Gesetz, aber ein hübscher Brauch, durch und durch honorig. Leider reizte der Brauch zum Missbrauch. Immer häufiger und immer unverschämter wurde unter den Abgeordneten gehandelt. Das Resultat: leere Stuhlreihen im Plenum, Abstimmungen im kleinen Kreis. Schluss damit!, ruft nun Frau Merkel und kündigte das Pairing-Abkommen. Aus Sorge um das Parlament, versteht sich, nicht etwa weil die Regierung nur eine knappe Mehrheit hat. Schließlich will die Union konstruktiv opponieren. Sagt Frau Merkel. Und ihr, wenigstens ihr, wollen wir glauben.