Eigentlich galt der Kölner Dom als unantastbar, als Nationaldenkmal, erhaben über Vergangenheit und Zukunft. Nun aber wollen sich Dummheit und Geldgier der stolzen Kirche bemächtigen, ihr die Lufthoheit nehmen, sie in den Schatten stellen. Auf dem nahe gelegenen Messegelände sollen bald drei mächtige Bürotürme mehr als hundert Meter in die Höhe wachsen - und der Stadt die Silhouette rauben. In Köln scheint sich kaum jemand daran zu stören, dass künftig die Sicht auf den Dom verstellt und verengt sein könnte. Große Proteste waren nicht zu vernehmen, erst jetzt regt sich Widerstand, die Unesco höchstselbst ist eingeschritten. Sie droht, dem Großdenkmal den Weltkulturerbe-Status zu entziehen. Eigentlich wäre Köln verpflichet gewesen, die Weltorganisation von dem großen Bauvorhaben im Umkreis des Doms zu unterrichten. Doch offenbar war man dem kommerziellen Höhenwahn derart verfallen, dass man meinte, darauf verzichten zu können. Vielleicht hatte man auch gehofft, dass im allgemeinen Geklüngel so ein paar Hochhäuser gar nicht auffallen würden. Doch diese Weltfremdheit könnte sich jetzt bitter rächen: Sollte die Unesco ihre Drohung wahr machen, wäre die Blamage riesig. Dem Bürgermeister wäre es zu gönnen: Denn würden die Bürofinger tatsächlich gebaut, wäre der Dom nicht mehr der Dom. Und Köln nicht mehr Köln.