Gotthard Erler: Das Herz bleibt immer jung.

Emilie Fontane, Biographie

Aufbau-Verlag, Berlin 2002

460 S., 25,- e

Warum eine Biografie über Emilie Fontane und nicht - etwa über Katia Mann?

Wären die beiden Frauen überhaupt in unserem Bewusstsein, wenn sie nicht die Frauen der beiden eminenten Schriftsteller wären, in deren Person sich das 19. und das 20. Jahrhundert gewissermaßen die Hand reichen? Lesen wir das Leben der Frauen als Randerscheinung des Lebens und Werkes ihrer Männer, als Begleit- und Erklärungselement? Was ist und war dies eigentlich für ein Frauenleben?

Doch schon zeigen sich die Kontraste - und die haben wiederum etwas mit den Kontrasten der jeweiligen Schriftstellerexistenz zu tun. Hier der großbürgerlich aspirierende, jedenfalls wirtschaftlich bis ins Exil gesicherte Thomas Mann, dort der - rein sozial und wirtschaftlich - kleinbürgerliche und höchst ungesicherte Theodor Fontane: "Frühstarter" als Romancier der eine, "Spätberufener" in diesem Fach hingegen Fontane. Emilie Fontane als "mitverdienende" - und mehr noch als ihr Mann um die prekäre Existenz fürchtende - Ehefrau, die das gesamte Romanwerk immer wieder mit allen Korrekturen in Reinschrift bringt. Mehr als eine, oberflächlich betrachtet, dienende, untergeordnete Funktion scheint diese Kopistentätigkeit nicht zu sein. Und doch ... Aber was mehr hätte eine Frau unter den damaligen gesellschaftlichen Umständen im Beruf ihres Mannes sein können, gleichviel um welchen Beruf es sich dabei handelte? Und wie viel mehr hätte Katia Mann zum Werk ihres Mannes beigetragen?