Nur langsam kamen wir in die Hufe. Ganze drei Milliarden Jahre brauchten wir, um mehrzellig zu werden. Nochmals 500 Millionen Jahre später waren wir die Saurier endlich los, um unserer säugenden Zunft zum Durchbruch zu verhelfen. Für die Entwicklung vom Früchte sammelnden Affen zum Fleisch fressenden Hominiden gingen nochmals mindestens eine Million Jahre ins Land.

Immerhin: Wir hatten beschleunigt. Vor 10 000 Jahren der Landbau. Wir zogen aus den Lehmhütten in Wolkenkratzer und benötigen heute für 100 Meter keine 10 Sekunden mehr.

Dass noch nicht alle in der Moderne angekommen sind, stellen wir beim Blick in den Spiegel fest. Was wir dort sehen, ist ein Relikt aus der Steinzeit: ein veralteter Körper, noch immer darauf getrimmt, Beutetieren nachzustellen.

Da er das heute nur noch selten tun kann, ist er krank geworden, leidet an Übergewicht, Diabetes, Arteriosklerose. Viele Gebrechen, sagen Evolutionsmediziner, hätte der Büromensch nicht, würde er jeden Tag in der Kalahari 3000 Kalorien verbrennen. Doch nicht nur der Körper, auch der Geist blieb beim Sprint in die Moderne auf der Strecke: Wer sich um einen freien Parkplatz streitet, verhält sich wie der Urahn, der sich um einen Fetzen Fleisch prügelt: Er kämpft um eine lebenswichtige Ressource.

Zu schnell gerannt. Das hat auch Dieter Baumann erkannt. Auf der Suche nach Gründen, warum er im Frühling beim Hamburger Marathon das Ziel nicht erreicht hat, ist er in der Steinzeit angekommen.

In der Tageszeitung taz führte er kürzlich aus, warum ihm ab Kilometer 32 die Beine schwer geworden sind: weil auch der Steinzeitler, ein Revier von 400 Quadratkilometern absteckend, als längste Strecken "bloß" 30 Kilometer rennen musste. Der Mann mit Keule und Faustkeil konnte nur so weit rennen, wie sein Körper in der Lage war, Energie aus Kohlenhydraten zu gewinnen. Ist dieser schnell verfügbare Treibstoff verbraucht, müssen die Muskeln auf andere Energiequellen umstellen. Diesen Trick hatte unser Urahn noch nicht gelernt.

Baumann vermutet daher, dass der Steinzeitler nicht oft zu rennen pflegte. Er sparte die wertvollen Kohlenhydrate, mit denen Beine Tempo machen können.