Plan A funktionierte perfekt. Arbeit gab es genug. Irgendwas war immer reif, Unkraut wuchs ständig und überall. Die Jobs waren hart und schlecht bezahlt, aber die Plantagen lagen weit entfernt von Kneipen und Kultur, es gab wenig Anlass, Geld auszugeben. Also hat Hanna gespart, damit sich Hände, Rücken und Beine zwischen den Ernteeinsätzen eine Weile erholen konnten, dann gab es umso mehr Arbeit für die Augen: 16 000 Kilometer durch das rote Herz Australiens nach Darwin und an der Westküste entlang zurück in den Süden.

"Bilder, die sich keinem beschreiben lassen, der nicht selbst hinsehen konnte", sagt Hanna.

Unterwegs hat sie ihre heutige "Mitbewohnerin" kennen gelernt. Eine 60jährige lebenslustige Dame, die in ihrer Wohnung in Melbourne ein Zimmer für Hanna freigeräumt hat und mit der sie nun Herd und Kühlschrank teilt. "Wir kochen zusammen, und ich helfe ihr im Haushalt und im Garten. Dafür muss ich keine Miete bezahlen, nur Strom und Wasser", sagt Hanna Constantin. Im "Ameisenhaufen" Melbourne sucht sie nun Arbeit. Für die besten Angebote "bewerben sich oft 200 Leute, das ist nicht anders als in Deutschland".

Als Grafik-Designerin hat sie nichts in Aussicht. Dafür hat Melbourne eine nette Bedienung mehr. Sie serviert Cappuccino und Eis in einem italienischen Café. Nebenbei verziert sie Geschenke in einer "Geschenkanfertigungsfabrik" mit Kätzchen, Hündchen und Blümchen. "Im Moment würde ich alles machen", sagt Hanna. Sie hat sich als Model genauso beworben wie als Modellbauerin für Zahnprothesen. Überall Absagen. "Mach das Leben nicht komplizierter, als es ist", hat sie von den Australiern gelernt. Wenn sie keinen Job als Grafik-Designerin findet, packt sie eben noch einmal ihren Rucksack und zieht wieder durchs Land. So frei zu sein "ist ein schöner Zustand", sagt Hanna.

"Seit ich in Melbourne bin, fühle ich mich wie auf einem riesigen Schiff. Ich kann es nicht erklären, aber mein Leben hat so etwas Unstetes, alles ist in Bewegung, alles scheint möglich."

Wirklich klar ist eigentlich nur, dass sie spätestens im Februar zurück nach Deutschland muss, weil dann das Visum abläuft. Gemeinsam mit einer Freundin will sie dann ein Restaurant eröffnen. Ein Restaurant zum Thema Reisen. Es wird Gerichte aus vielen Ländern geben, und ihre Gäste werden sich durch den Geschmack der fremden Speisen zurückerinnern, an die Tage irgendwo in der Ferne. Die Idee kam ihr auf einer Wassermelonenplantage, beim Unkrauthacken in klumpiger australischer Erde.

Firma gründen