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Sein Name steht jetzt nicht mehr in der Zeitung. Jens Pottharst hat nichts mehr zu berichten. Sein Platz bei Pressekonferenzen bleibt leer. In den Berliner Cafés wurde der 30 Jahre alte Journalist lange nicht mehr gesehen.

Eine ehemalige Kollegin von der FAZ weiß auch nicht viel

nach Jena sei er gegangen, ganz überstürzt. Einer von Lothar Späths Leuten für die Unternehmenskommunikation soll er jetzt sein, bei Jenoptik also. Ein Telefonanruf genügt. Jens Pottharst meldet sich. Es stimmt, er hat die Seiten gewechselt.

Jens Pottharst hat sie hinter sich gelassen, die Ratlosen, die Deprimierten, die anderen Entlassenen. Er hat die Koffer gepackt, als die meisten seiner Exkollegen noch so gelähmt waren, dass sie es gerade bis zum nächsten Zeitungskiosk schafften, um zu lesen, was die anderen schrieben. Pottharst hielt sich nicht lange mit Verzweiflung auf. Einen Tag, vielleicht zwei war er ein wenig ratlos, "betroffen", wie er sagt. "Ich stand ja irgendwie vor dem Nichts." Dann hat er Entscheidungen getroffen, schnell und pragmatisch.

Die erste hieß: Raus aus Berlin. "Städte habe ich in meinem Leben immer relativ leidenschaftslos gewechselt." Bei Jenoptik hatte er vor acht Jahren einmal ein Praktikum gemacht, in der Pressestelle. Den Kontakt hatte er gehalten.

Auf einer Autobahnraststätte hatte Jens Pottharst Mitte Juni einen Anruf bekommen: Die große Redaktionskonferenz der Berliner Seiten falle am Dienstag aus, ließ die Sekretärin ausrichten. Alle Redakteure wurden nach Frankfurt gerufen, ins Mutterhaus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Jens Pottharst war Pauschalist bei den Berliner Seiten, deshalb war er bei diesem Treffen nicht eingeladen, aber er hatte plötzlich ein erstaunlich klares Bild vor Augen, was seine Kollegen in Frankfurt erwarten würde. Die Berliner Seiten der FAZ werden eingestellt - das hämmerte wie eine nicht dementierte Skandalmeldung in seinem Kopf. Es kam kein Dementi. Am 29. Juni erschienen die Berliner Seiten zum letzten Mal. "So ein Erlebnis hatte ich noch nie", erinnert sich Jens Pottharst. "Vieles an meiner Arbeit und an meiner Zeit in Berlin war einmalig, ja einzigartig. Das Ende leider auch."