Die Wahrheit über meine Jahre mit Naddel ist, dass ich oft wochenlang nichts von ihr hörte und in dieser Zeit kaum an sie dachte, mich wohl in der Sicherheit wog, dass keine Nachrichten gute Nachrichten sein müssten. Bis sie dann eines Morgens wieder am Zeitungskiosk lag. Meistens mit irgendeinem, wie Dieter Bohlen sagen würde, Megahorror. Man hatte sie fast vergessen, und im März war sie dann plötzlich wieder da. Mit Selbstmordgedanken, auf der Titelseite von Bild. Kein Mann, kein Job, keine Kinder, 37, ihr Leben verpfuscht. Man kann das bestimmt (an Hamburger Winterabenden) so sehen. Sie aber traf sich mit der Bild-Kolumnistin Christiane Hoffmann zum Abendessen, angeblich, um ihr zu sagen, dass sie nichts zu sagen habe, was diese eigentlich auch versprochen habe, nicht zu schreiben.

Niemand hätte sich gewundert, wenn N. sich nach der Selbstmord-Story tatsächlich umgebracht hätte. Es war viel zusammengekommen: Kurz zuvor hatte sie sich in Ralph Siegel verliebt, dem sie aber kurz darauf per SMS (und in Bild) mitteilte, sie sei doch nicht verliebt, woraufhin dessen Tochter Giulia das Wort Prostitution fallen ließ, woraufhin Naddel das Wort Silikon fallen ließ in Bezug auf Giulias Busen

ein Materialfehler, der in der Vergangenheit bereits ihr selbst unterstellt worden war, damals allerdings von Verona Feldbusch, der Frau, die während N.s langjähriger Beziehung zu Dieter Bohlen mit diesem für einige Wochen verheiratet war und deren Nachfolgerin sie später werden sollte als Moderatorin der RTL 2-Erotikshow peep

eine Tätigkeit, in deren Rahmen sie eine Gerhard-Schröder-Puppe zu deren Sexualleben befragte, woraufhin sich die Kanzlergattin (die echte) zu Wort meldete, dass man nur hoffen könne, dass ihre Tochter nicht irgendwann seelisch Schaden nähme, woraufhin Naddel sich eine Woche später in einem offenen Brief entschuldigte, so darf man die Würde eines Menschen nicht treten

gemeint war die des Bundeskanzlers.

Ein stilles Leben als Apothekenhelferin?

Man muss Nadja ab del Farrag nicht kennen, um mit ihr vertraut zu sein: als Horrorvision von einem Frauenleben. Wie es gehen kann, wenn man sich mit dem (mega)falschen Mann einlässt. Naddel. Schon der Name ist lautmalerisch, mit Doppel-d wie ein Teddy, der alles mitmacht, weich und biegsam in der Mitte.