Die nordirische Regionalregierung regiert mal wieder nicht mehr, zum vierten Mal seit 1998. Am Montag hat Tony Blair den zerstrittenen Unionisten und Nationalisten auf Schloss Stormont die so mühsam errungene Teilautonomie aus den Händen genommen und sie von allen Ämtern, wie es vornehm heißt, suspendiert. Diese Art der Therapie scheint bewährt. Ein künstliches politisches Koma für die Krisenprovinz hat immerhin schon dreimal schmerzlindernde Wirkung gehabt. Geheilt aber, das zeigt sich diesmal umso deutlicher, hat es nichts. Mitarbeiter der IRA-nahen Sinn Féin hatten geheime Regierungspapiere kopiert, Unionisten darauf von einer Affäre gesprochen, die "zehnmal schlimmer" sei als Watergate. Entlarvend aber ist sie vor allem für Sinn Féin. Zu Recht muss sie sich fragen lassen, ob sie zusammen mit ihrem paramilitärischen Arm, der IRA, noch immer den "Langen Krieg" führt. Anfang der Siebziger lautete ihre Parole: "Briten raus in einem Jahr", später dann: "Wir vertreiben sie mit dem Gewehr und der Wahlurne." Und heute? Vielleicht: "Paramilitärs ins Parlament"?