Nehmen Sie den Bus!", rät mir Wolf Krug. "Sie riskieren, mit einer Ziege auf dem Schoß zu reisen oder dass Ihnen die Exkremente der Hühner im Gepäcknetz in den Nacken fallen." Er überlegt weiter: "Vielleicht sitzen Sie schwitzend auf einem verrosteten Sitz, der plötzlich vom Gestänge kippt.

Vielleicht sitzen Sie auch sieben Stunden gar nicht." Trotz der ungemütlichen Aussichten bleibt Krug bei der Empfehlung. "Schlaglöcher, Staub, Polizeikontrollen, Pannen. Reisen Sie mit dem Bus. Dann lernen Sie Afrika kennen."

Ich nehme es mir vor. Womöglich komme ich ja einmal im Leben dort vorbei, wo er, Krug, aufgewachsen ist: Kenia und Äthiopien. Die Vorstellung aber, wie dieser blonde Mann von 33 Jahren allein durch den Schwarzen Kontinent gereist ist: Sie will noch nicht in meinen Kopf.

Die afrikanische Steppe hat er verlassen. Sein Revier sind jetzt die Gänge des Bundestags. Seit Mai geht er hier aus und ein, als wissenschaftlicher Mitarbeiter des Augsburger CSU-Abgeordneten Christian Ruck. Diesen laut Naturschützern "grünen Schwarzen" berät er in Umwelt- und Entwicklungspolitik. Krug ist ein höflicher Mensch. Krug macht die Türen auf und lässt stets den Besucher vorgehen. Eine individuelle Führung durch die Bundestagsgebäude entlang des Reichstagsufers hat er mir versprochen. Von seinem Büro inmitten der CDU/CSU-Fraktion lotst er mich durch unterirdische Gänge und über Treppen, die wie luftige Stege an den Horizontalen riesiger Innenhöfe hängen.

Er strapaziert das Vorstellungsvermögen weiter: abgeknallte Gazellen, florierender Elfenbeinhandel, zersägte Regenwaldriesen, saftige Zebrakeulen - dies soll ich mir im Zusammenhang mit Naturschutz auch noch ausmalen. Denn Wolf Krug ist ein Tierfreund. Ein so großer, dass er das Nachdenken darüber, wie die bedrohten Arten noch zu retten sind, zum Beruf gemacht hat.

Allerdings verstört er viele Freunde von Elefant, Panda, Delfin und Giraffe mit seinem Rezept: die Natur nutzen. Wo Wildnis nicht auf herkömmliche Art geschützt werden kann, müssen Tiere, Bäume, Land einen ökonomischen Wert erhalten. Genau das aber haben sie für die Bewohner in einem mit Verboten belegten Naturreservat meist nicht, weil der hungernde Bauer von dessen Schönheit nichts hat.

Rendite für die Artenvielfalt