Die hat sie demnächst hinter sich und hofft dann auf einen Vertrag für eine unbefristete halbe Stelle als Fachärztin. Mit geregelten Arbeitszeiten von acht bis zwölf - ein Traum. Solche Stellen sind rar, und "eigentlich", so meint sie, "glaube ich, dass sich die Arbeitsstrukturen in einer Klinik auch in Zukunft kaum mit einer Familie vereinbaren lassen". Einige ihrer Kolleginnen verzichten deshalb auf Kinder, bei anderen wird der Nachwuchs von Erzieherinnen oder Au-pair-Mädchen betreut.

"Heute war ein guter Tag", erzählt die 35-Jährige. Sie hatte Frühschicht und abends ihre Kinder mit nur wenig Verspätung bei den Nachbarn abgeholt. Auf jeden Fall war Zeit, gemeinsam mit Sohn und Tochter abendzuessen und das Wohnzimmer aufzuräumen. Oft bleibt die Hausarbeit liegen, wenn die Kinderärztin im Zweiwochenrhythmus Dienst hat. An den dienstfreien Tagen ist auch noch Zeit fürs Putzen und Waschen.

Medizin ist bis heute eine Männerdomäne

Von Anfang an, sagt sie, habe sie ihre Arbeitszeit an der Klinik strikter durchgesetzt als andere, oft auch den Spätdienst gegen einen Frühdienst getauscht. Es blieb ihr nichts anderes übrig, wenn sie Tochter und Sohn rechtzeitig von der Kita und später von der Schule abholen wollte. Ohne Kinderfrau am Nachmittag kommt die Mutter heute trotzdem nicht aus, befreundete und benachbarte Familien helfen beim Spät- oder Nachtdienst aus.

"Alles eine Frage der Organisation", meint sie und lacht. Doch wenn sie gewusst hätte, was auf sie als Ärztin mit Kindern zukommt, hätte sie sich wohl für einen anderen Beruf entschieden. Lehrerin zum Beispiel. Das heißt nicht, dass sie nicht gerne Medizinerin ist. Im Gegenteil, Kinder auf der Neugeborenenstation, wo sie ihre Assistentenzeit zu Ende bringt, zu versorgen: "Etwas Schöneres gibt es nicht."

Auf eine berufliche Karriere an der Klinik macht sie sich keine Hoffnungen.

Nicht nur, weil sie nach dem Studium auf eine Habilitation verzichtet hat, sondern auch, weil es für halbe Fachkräfte kaum Oberarztstellen gibt. Die Medizin ist bis heute eine hierarchisch strukturierte Männerdomäne. Ärztinnen in leitenden Positionen sind selten, auf rund 14 000 Chefärzte an deutschen Krankenhäusern kommen weniger als 1300 Frauen. Nur sechs Prozent aller Medizinprofessoren sind weiblich.