Djuna Barnes: Im Dunkeln gehn. Briefe an Emily Coleman, ausgewählt und mit einem Vorwort versehen von Mary Lynn Broe, aus dem Amerikanischen von Robin Cacket, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 2002, 206 S., 22,50 e.

Was müssen die dreißiger Jahre - abgesehen von frierender Armut, heller Verzweiflung und zu viel Alkohol - für eine wundervolle Zeit gewesen sein: Schiffe pendeln zwischen den Kontinenten mit Gertrude Stein an Bord oder der kunstreichen Peggy Guggenheim, sie transportieren Feuilletons von Janet Flanner aus Paris oder Briefe von Emily Coleman, Sekretärin der Revolutionärin Emma Goldman, Briefe an Djuna Barnes, der Autorin von Nightwood, die ihrerseits in langen Nächten wiederschreib t, endlose Briefe, Briefe, plappernd, grausam, offen, albern, man könnte auch sagen, es sind Selbstgespräche. Emily und Djuna waren 15 Jahre lang befreundet, hier sind nur die Briefe von 1934 bis 1938 zu lesen, nur Djunas, wohlgemerkt, zu wenige also, aber die mit beachtlichem Stil: "Eine dicke Melancholie lastet auf mir, schwer wie der Arsch eines Bullen."

Isabelle Eberhardt: Briefe, Tagebuchblätter, Prosa, Hrsg. Eglal Errera, aus dem Französischen von Gio Waeckerlin Induni, Lenos Verlag, Basel 2002, 511 S., 14,- e.

Sie nannte sich Myriam, Nadia, Niklas, auch Si Mahmud. Sie wurde in Moskau geboren, wuchs auf in Genf, zu sich und nach Hause aber kam sie erst in Afrika, wo sie starb, mit 27, verschüttet im Schlamm. Isabelle Eberhardt musste in den Siebzigern entdeckt werden, Unbekannte, Schöne, Heldin in Männerkleidern, das alles musste unsere Sicht auf sie auch ein wenig vernebeln. Sie war eine Chatwina von Afrika. Sie erzählt von der Leere, dem Farbenfeuer der Sonnenaufgänge, der Wildheit der Menschen wie niemand, der heute über Algerien, die Kriege oder die große Seuche so trauert.