Gera, Thüringen

Ein Prozent Verlust bei der Bundestagswahl. Eigentlich nicht dramatisch. Dumm nur, wenn zwischen Sieg oder Niederlage die magische Fünfprozenthürde aufgestellt ist. Den Galgenhumor des Hallenser PDS-Wahlforschers Michael Chrapa dürfte in der Partei kaum einer teilen. Seine Analyse jedoch schon.

Der programmatische Konsens sei "dünn" und erstrecke sich auf dreierlei: soziale Gerechtigkeit, Frieden, Ostdeutschland. Die PDS sei immer noch die Gysi-Partei, sie müsse sich jetzt neu definieren.

Ohne Zweifel: Mit ihrer Neudefinition hat die PDS auf ihrem Parteitag in Gera begonnen - wenn auch anders als erwartet. Und es war nicht Gregor Gysi, der die Debatte bestimmte, er war gar nicht da. Doch das Parteivolk im Saal hatte die Leerstelle längst besetzt: mit der Vorsitzenden Gabi Zimmer, deren politische Zukunft vor dem Parteitag schon beerdigt schien. Ein Irrtum, wie sich zeigte. Die meisten Delegierten jubelten, als Zimmer in den Saal kam.

Die Parteichefin zeigte sich davon überrascht. Sie selbst wiederum überraschte die Zuhörer mit ihrer Rede. Gabi Zimmer hat offenbar gelernt

zum Beispiel, dass ein bisschen Diffamieren gar nicht so verkehrt ist, um sein Ziel zu erreichen. "Bedingungsloses Mitregieren", das sei "Opportunismus".

Namen wurden nicht genannt. Gemeint aber waren die Landesverbände in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin. Die Auseinandersetzung in der PDS spiele sich nicht zwischen "Reformern" und "Traditionalisten" ab, sondern "zwischen dem Gestalten um jeden Preis und dem alternativen Gestaltungsanspruch". Ach, ja. Da war er wieder, der bekannte Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit.