In der Debatte war der Bruch unübersehbar: hier die, denen es um praktische Politik ging, da die große Mehrheit, die sich damit nicht die Finger schmutzig machen wollte. Ob sie Sekte oder Teil des Parteienstaates sein wolle, das müsse die PDS jetzt entscheiden, sagte der Mecklenburger Arbeitsminister Helmut Holter nüchtern. Offenbar habe die PDS-Vorsitzende gar nicht zur Kenntnis genommen, dass sich ihre Genossen in Schwerin mitten in Koalitionsverhandlungen befänden.

Pragmatiker der "Nordallianz"

Und natürlich machte auch das böse Wort von der "Sozialdemokratisierung" die Runde. Sozialdemokratisch, dieses Etikett war den Pragmatikern in der PDS schon des Öfteren angeheftet worden. Manfred Stolpe hatte sie (lobend) so genannt, Sarah Wagenknecht von der Kommunistischen Plattform (tadelnd) auch.

Das Lob von der SPD höre er zwar gern, hatte der Brandenburger PDS-Fraktionschef Lothar Bisky in der Presse gesagt. Allein, die Werbung werde wohl erfolglos bleiben. "Wer nicht dafür ist, dass du Vorsitzende wirst, der ist noch lange kein Sozialdemokrat", schleuderte die Berlinerin Angela Marquardt Gabi Zimmer ins Gesicht. "Machtwillen ohne Inhalt", mehr nicht, seien Zimmers Ambitionen, fand Berlins Kultursenator Thomas Flierl.

Mochten die Pragmatiker schäumen. Es half alles nichts. Die Mehrheit der PDS, vor allem aus Sachsen und Thüringen, hatte gegen sie entschieden. Diejenigen, die zurückwollten "in die sozialistische Wärmestube", wie es die junge Abgeordnete Sandra Brunner bitter beschrieb.

Die Unterlegenen nennen sich seit dem Wochenende selbstironisch "Nordallianz". Denn ihren pragmatischen Kurs hatten vor allem die aus dem Süden überstimmt. Die PDS "sollte sich klar als sozialistische Partei profilieren", lautet indes die Losung, die Gabi Zimmer ausgab. Ob das mit weithin unbekannten Vorstandsmitgliedern gelingt und einem Bundesgeschäftsführer, der sich in allerletzter Not fand? In Schwerin und Berlin kann man wohl derzeit kaum auf Unterstützung vom eigenen Bundesvorstand hoffen. Hilfe kommt indes vom Koalitionspartner. Er koaliere nicht mit Frau Zimmer, ließ sich der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vernehmen.

Gregor Gysi, dessen bevorstehender Parteiaustritt voreilig vermeldet wurde, befürchtet jetzt die interne Spaltung der PDS. Er warf Gabi Zimmer vor, sie triebe die PDS in "Isolation" und "politische Bedeutungslosigkleit".