Da kann die Theorie erzählen, was sie will. Die meisten Menschen wissen ganz einfach, dass sie neidisch und aggressiv sein können, dann wieder kooperativ - auch in Wirtschaftsdingen. Mitunter ist ihnen sogar das Empfinden für Fairness wichtiger als der reine Geldgewinn. Aber wie weisen die ökonomischen Forscher solches Verhalten nach?

Mit dem "Ultimatumspiel" zum Beispiel. Die Teilnehmer werden in zwei Gruppen eingeteilt. Jedes Mitglied der ersten Gruppe erhält einen kleinen Geldbetrag, beispielsweise zehn Euro, den es zwischen sich und einem Mitglied der zweiten Gruppe aufteilen soll. Der Empfänger entscheidet dann, ob er dieses Angebot annimmt. Lehnt er es ab, werden die zehn Euro wieder eingezogen - beide gehen leer aus.

Die Regeln sind einfach, haben es aber in sich. Wer das Geld aufteilt, muss bedenken, was der andere denkt. Ein Homo oeconomicus würde ein Angebot von ein paar Cent akzeptieren. Sonst bekäme er gar nichts, und einem kühlen Rechner muss es egal sein, wie viel der andere sich in die Tasche steckt.

Will der Empfänger aber Fairness, wird er allzu ungleiche Angebote ablehnen.

Tatsächlich werden im Durchschnitt keine Cent-Beträge angeboten, sondern drei bis vier Euro. Und das aus gutem Grund: Die meisten Empfänger lehnen selbst Angebote von einem oder zwei Euro ab. Lieber bestrafen sie das unfaire Verhalten des anderen, als sich mit einem kleinen Anteil abspeisen zu lassen.

Das gilt selbst dann, wenn Geber und Nehmer anonym bleiben. Wie mitunter bei uns allen, siegen die moralische Empörung und der Erziehungsreflex über das Gewinnstreben.

Wenn ein Unternehmen seine Lohnstruktur festlegt, sollte es das Empfinden für Fairness berücksichtigen. Sonst verlieren Mitarbeiter die Lust oder werden eigensinnig.