Trotzdem habe ich mir geschworen, nicht die Hoffnung aufzugeben. Ich kann mich mit Model-Jobs gut finanzieren und habe schon öfter mal daran gedacht, mich als Psychologe selbstständig zu machen. Als dann im Juli immer noch keiner angerufen hatte, habe ich beschlossen, mir meinen Berufswunsch selbst zu erfüllen. Sprich: Wenn dir keiner Arbeit gibt, machst du dir selber welche.

Ich habe für die Volkshochschule ein Konzept ausgearbeitet für ein Seminar zur Persönlichkeitsentwicklung. Dann kam ich auf die Idee, eine professionelle Beratung für Schwule anzubieten in Bezug auf Partner, Leben, Beruf und Coming-out. Eine Marktlücke hier in Berlin. Schließlich kam dann doch noch eine Einladung zu einem Gespräch von meinem jetzigen Arbeitgeber.

Er bot mir ein halbjähriges Praktikum in der Personalabteilung eines Softwareentwicklers an. Vorteil für mich: Berufserfahrung in einem großen, international tätigen Unternehmen. Vorteil für ihn: eine kostengünstige, hoch qualifizierte Arbeitskraft.

Serena Holm, 31, arbeitet bei T-Online in der Abteilung mobiles Internet als Manager Business Affairs

Mein schrägstes Absageerlebnis hatte ich mit der Personalberatungsfirma Kienbaum. Von denen bekam ich, zwei Jahre nachdem ich eine Bewerbung hingeschickt und ein vielversprechendes Gespräch hatte, meine Unterlagen zerknittert und ohne Foto zurück. Keine Erklärung, keine Entschuldigung.

Meine erste Bewerbungsrunde habe ich nach dem Jurastudium gemacht. Noch ganz euphorisch, mit der Vorstellung, auf jeden Fall in die Wirtschaft zu gehen und nicht in den klassischen Juristenbereich. Ich bekam eine Reihe von Absagen und habe gemerkt, dass ich noch nicht genau genug wusste, was für eine Position ich eigentlich wollte. Und mir auch wirtschaftsspezifische Kenntnisse fehlten. Insofern habe ich diese ersten "Niederlagen" locker genommen und dann eine Zusatzqualifikation zur Juristischen Wirtschaftsassistentin gemacht. Danach habe ich an die 30 Bewerbungen geschrieben und bin bei ungefähr einem Drittel zum Gespräch eingeladen worden. Das war ein besserer Schnitt als nach der Uni, aber trotzdem deprimierend. Meinen Job bekam ich dann über private Kontakte in einem New-Economy-Unternehmen, das leider nach einem Jahr Insolvenz anmeldete. Das war ein Hammer. Da arbeitet man in einem super Team, glaubt, das mit dem Bewerbungen habe man endlich hinter sich gebracht - und dann so etwas. Ich war so fertig, dass ich mir eine kleine Auszeit gegönnt habe. Nach dem 11. September war die Joblage sowieso miserabel: Da haben sich 1000 Leute auf eine Stelle beworben.

Anfang dieses Jahres habe ich dann doch an die 50 Bewerbungen losgeschickt.