Der Teststreifen ist eindeutig. Das Kornblumenblau sieht so schwanger aus, wie es nur geht. Juchheeh!!! Gerade mal 24 Stunden hält das schwindelerregende Glücksgefühl an, dann schnappen Pflichtgefühl und Zukunftsängste zu. Mein Chef wird mir den Kopf abreißen, schon die dritte Schwangere in acht Monaten. Ich war doch die garantiert Kinderlose, sonst hätte ich den Job nie gekriegt. Dieser emotionale Spießrutenlauf kann dauern, je nachdem, wie erfolgreich Scham und Schuldgefühle die Endorphine verdrängen.

Lange verschweigt Anita Ebel

im Büro, was auf Grußpostkarten als freudiges Ereignis verkauft wird. So lange, bis auch von der letzten Hose der Knopf springt. Ihre Lebensplanung dahin. Studium, wofür? Sie steckt doch noch in der Probezeit. Wer will schon eine Berufseinsteigerin mit Kind? Als sich die 31-Jährige ein Herz fasst, hat sie sieben Monate schweigend die beiden Kettenraucher in ihrem winzigen Büro ertragen. Jetzt sitzt sie mit zusammengebissenen Zähnen da, elf Wochen vor dem Geburtstermin.

Tausendmal hat sie Formulierungen und Rechtfertigungen durchgekaut, um im entscheidenden Moment doch alle sausen zu lassen. Sie schließt die Tür hinter sich. Point of no return. Dr. Henning

, ich bin schwanger. Die Reaktion des Vorstands macht sie baff. Der Chef gratuliert ihr freundlich-knapp zu Ihrem Glück. Dass er sie im zweiten Atemzug auffordert, über die Organisation ihres Arbeitslebens nach der Geburt nachzudenken, empfindet Anita Ebel als legitim. Monatelang hat sie sich selbst zerfleischt, jetzt kann sie endlich loslassen.

Der Fortgang der Geschichte: Ebel genießt das Muttersein so, dass sie ihren Erziehungsurlaub von dem vereinbarten halben auf drei Jahre ausdehnen will.

Doch der Verband, bei dem sie angestellt ist, weigert sich. Anita Ebel wird mit einer Abfindung in die Arbeitslosigkeit entlassen.