Ein Jahr, einen Monat und einen Tag später ist es wieder passiert. Nicht das Ob, da waren sich die Experte nach dem 11. September schnell einig, sei die Frage, sondern allein das Wann und Wo. Da ist es nun: ein Ferienort, Kuta Beach auf Bali, Samstagabend in einem Tempel des westlichen Lifestyle. Und wieder, wie vor einem Jahr, stellen sich angesichts der Bilder von qualmenden Schuttbergen und traumatisierten Opfern die Fragen: Woher der Terror? Wie können wir uns schützen?

Die New Yorker Zwillingstürme waren noch nicht ganz eingestürzt, als die ersten Verleger schon Druckaufträge befahlen - Antwortversuche, so rasant in den Handel gebracht, wie der Terror kam. Schnelle Erklärungen für das Unerklärliche, mit Titeln so laut wie Bombendonner: Der unerklärte Krieg, Terror im Namen Allahs.

Auch das Buch Die weltweite Gefahr reiht sich auf den ersten Blick ein in den alarmistischen Chor. Hinter dem Einband mit der offenbar unvermeidlichen Collage aus Fadenkreuz, Explosionsflamme und bösewichtiger Motorradmaske aber versteckt sich der informativste Reader zum Thema, der derzeit zu haben ist.

Die Herausgeber, Hans Frank und Kai Hirschmann von der Bundesakademie für Sicherheitspolitik, starteten nach den Al-Qaida-Angriffen einen Rundruf in die Gemeinde der deutschen Terrorismusforschung. Nun, nach einjähriger Reifezeit, liegt ein Sammelband mit sechzehn Beiträgen vor, welcher eine Grundregel belegt, die leider nicht für alle Veröffentlichungen zum Thema gilt: Ein heißes Eisen braucht kühle Köpfe. Zwar liefern auch die hier zurate gezogenen Experten keine letzten Antworten, aber, immerhin: die richtigen Überlegungen. "Man muss nicht Taten, sondern Täter verhindern" (Hirschmann über die Entwicklung und Ziele des islamistischen Terrorismus). "Es ist nicht auszuschließen, dass bei zukünftigen Konflikten, wie in den Auseinandersetzungen in Israel/Palästina, auch ein internationales muslimisches Element eine wachsende Rolle spielen wird" (Peter Heine zum religiösen Extremismus). "Gerade mit durch biologische Kampfstoffe verursachten Seuchen ließe sich Angst und Schrecken verbreiten (Oliver Thränert zur Gefahr von Massenvernichtungswaffen in den Händen von Terroristen). "Die Gefahr des substanzlosen Aktionismus ist nicht von der Hand zu weisen" (BKA-Direktor Manfred Klink zur internationalen Terrorbekämpfung).

Etwas eilig redigiert ist zwar auch diese Pflichtneuerscheinung und daher nicht ganz frei von Wiederholungen. (Was die Herausgeber nicht daran hindert, es schon heute als "Standardwerk" zu bezeichnen.) Gleichwohl ist es das, was man von einem modernen Nachschlagewerk erwarten darf: wissenschaftlich präzise, aber nicht akademisch gedunsen. Faktenreich, aber kein Datendschungel. Sachlich - und gerade deshalb so erschreckend.

Hans Frank/Kai Hirschmann (Hrsg.): Die weltweite Gefahr - Terrorismus als internationale Herausforderung

Berlin Verlag Arno Spitz, Berlin 2002