Ein großer Schritt für mich - ein kleiner Schritt für die Menschheit: Der Weg in die Selbständigkeit ist keine Mondlandung, aber er bedarf sorgfältiger Planung und Organisation. Dafür gibt es vielfältige Hilfen und Förderungen.

Die Selbständigkeit zu fördern gilt fast schon als Patentrezept zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. So setzen auch die Vorschläge der Hartz-Kommission auf die "Ich-AG". Das Hartz-Konzept ist bekanntlich nicht nur die Grundlage der Arbeitsmarktpolitik der neuen Bundesregierung, es wurde aufgrund der Koalitionsvereinbarung - nach der die Vorschläge möglichst vollständig umgesetzt werden sollen - gewissermaßen schon zum Gesetzentwurf.

Die Hartz-Pläne

Das Konzept der Ich-AG ist eins der "Innovationsmodule" aus denen sich die Hartz-Vorschläge zusammensetzen. Zwei Absichten werden mit der Einführung der Ich-AG verfolgt: Neue Beschäftigung und Abbau von Schwarzarbeit. In erster Linie zielt das Konzept auf gering qualifizierte Beschäftigungsformen - etwa als Haushaltshilfe - und auf die typischen Bereiche der Schwarzarbeit, beispielsweise Handwerkstätigkeiten rund um Haus und Garten. Doch auch Akademiker und höher Qualifizierte können von den neuen Regelungen betroffen sein.

Die Ich-AG wird als Vorstufe zur vollständigen Selbständigkeit definiert. In einer Übergangszeit von drei Jahren soll der Weg in die Selbständigkeit unterstützt werden. Vorgeschlagen wird ein finanzieller Zuschuss, der zeitlich und nach bestimmten Einkommensgrenzen gestaffelt wird. Auch die Besteuerung soll sich für die Ich-AG deutlich vereinfachen: Auf alle Einnahmen werden dann pauschal zehn Prozent Steuern gezahlt - bis zu einer Verdienstgrenze von 25.000,- Euro pro Jahr. Umsatzsteuer fällt in diesem Einkommenssegment noch nicht an, da wie bisher die Freistellung als Kleinunternehmer gewährt werden kann. Während der drei Jahre bleibt der "Inhaber" der Ich-AG in vollem Umfang versicherungspflichtig, muss aber den vollen Beitragssatz (also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) an Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abführen. So erwirbt er -beispielsweise gegenüber der Arbeitslosenversicherung - neue Ansprüche.

Neue Abhängigkeiten

Solange man finanzielle Förderungen von der Bundesanstalt für Arbeit erhält, ist man faktisch nicht unabhängig, sondern ein versteckter Arbeitsloser, der Vorwurf der Beschönigung von Arbeitslosenzahlen ist unter diesen Umständen nicht unberechtigt. Im Extremfall kann die Abhängigkeit vom Arbeitsamt zu einer Verzerrung der Konkurrenzsituation führen: Zum Beispiel durch Vereinbarung von Dumping-Honoraren, weil man als Ich-AG vom Arbeitsamt ja auf jeden Fall Geld bekommt und somit bei Honoraren Abstriche machen kann. Aus Sicht der Einzelunternehmer wären auch gesetzliche oder Tarif-ähnliche Garantien über Mindesthonorare angebracht, um Dumping zu verhindern.