Claus lachte: "Seien Sie mir nicht böse, Yvonne. Aber um das alles aufzubauen, haben wir Jahrzehnte gebraucht. Das soll ich vernichten, nur weil Sie behaupten, die neuen Spielregeln zu kennen?" Claus Berning, Geschäftsführer einer Schrauben- und Drahtfabrik und Hauptfigur in Edgar Geffroys Machtschock, steckt in einer Liquiditätskrise. Um seine Firma aus den roten Zahlen zu holen, organisiert er mit Yvonnes Hilfe und ihren Regeln über Change-Management die Geschäftsprozesse in seinem Unternehmen völlig neu. Wie sich das auf die Firma, die Mitarbeiter und die eigene Familie auswirkt, das macht den Spannungsbogen des Buches aus.

Romane aus der Welt der Wirtschaft laufen gut. Allein in den vergangenen drei Jahren erschienen rund 30 Titel in deutscher Sprache. Die Erstauflage liegt in der Regel zwischen 5000 und 10 000 Exemplaren. Eine eigene Sparte dieses Genres sind die Business- oder Managerromane, eine Mischung aus Erzählung und Sachbuch. Sie sollen den Leser unterhalten und ihm zugleich eine Portion Fachwissen vermitteln: über Finanzen, Prozessoptimierung, Projektmanagement oder profitable Software-Lösungen.

Das erste Produkt dieser Gattung heißt The Goal. Excellence in Manufacturing. Das Buch stammt aus der Feder des Managementberaters Eliyahu M. Goldratt. Bereits 1984 in den USA erschienen, avancierte das Buch dort zum Bestseller. Die deutsche Übersetzung Das Ziel verkaufte sich über 40 000-mal.

Als einer der Ersten, die hierzulande in die Fußstapfen Goldratts traten, dichtete der Unternehmensberater Gerhard Nagel aus Schäftlarn bei München. 1999 erschien sein Buch Wagnis Führung. 365 Tagebuch-Notate lang begleitet der Leser den Change-Manager Bernd Schwaiger. Aufgelockert wird der minutiöse Bericht über das anstrengende Arbeitsleben durch die Schilderung von Schwaigers Ehe- und Familienproblem. Mit deutscher Gründlichkeit hat Nagel die Romanhandlung um einen Sachbuchteil ergänzt, der auch dem Nichtmanager alles erklärt: Methodik-Module und die Theorie vom 100-Tage-Konzept, Coaching und Krisenmanagement, Moderation und Ähnliches. "Die Resonanz auf diesen Roman war groß", sagt Martin Janik, Programmplaner beim Carl Hanser Verlag. Kurze Zeit nach seinem Erscheinen stand der Titel unter den ersten zehn der deutschen Wirtschaftsliteratur.

Anklang finden solche Bücher in erster Linie bei Wirtschaftsberatern und Managern. Die Romane von Tom deMarco kursieren vor allem unter Software-Entwicklern, die Werke Gerhard Nagels sprechen Consultants und Manager im Personalbereich an, während die Leser von Eliyahu Goldratt überwiegend aus der Produktion stammen. "Einen besonderen Reiz für die Leser bieten die Schauplätze, die sie gut kennen, und die Möglichkeit, einmal hinter die Kulissen anderer Branchen gucken zu können", erläutert Olaf Meier, Lektor beim Campus Verlag.

Manager-Romane variieren feste Muster: Die Handlung wird gesteuert durch das Aufeinandertreffen von Old and New Economy oder die Konfrontation von unterschiedlichen Führungs- und Managementstilen. In Gang gebracht wird das Romangeschehen durch eine akute wirtschaftliche Krisensituation. Der Sachbuchanteil ist getrennt und reicht von Anhängen, markierten Lehrsätzen, Sach-Kästchen bis zu Glossaren.

Die literarische Qualität der Texte geht selten über das Niveau von durchschnittlichen Kriminalromanen hinaus: "Müde lächelte Claus seiner Frau zu und warf einen Blick über das Schlachtfeld. Ein Wald von Gläsern, volle Aschenbecher, halb leere Teller mit Oliven und Platten mit angetrocknetem Käse." So heißt es bei Geffroy.