Ensminger: Im Rohbau steht die Europäische Verfassung, aber eben nur im Rohbau. Der Präsident des EU-Reformkonvents Valéry Giscard d‘Estaing hat gestern den Mitgliedern aus EU- und Kandidatenländern den Entwurf einer Europäischen Verfassung vorgelegt. Daraus soll dann bis zum Sommer des kommenden Jahres ein Dokument entstehen, das die bisherigen Verträge über die Europäische Union und die Europäische Gemeinschaft ersetzen und die Möglichkeit zum Beitritt aller anderen willigen europäischen Staaten schaffen könnte. Ein ehrgeiziges Unterfanten. Und am Telefon ist nun Klaus Hänsch, Mitglied im EU-Konventspräsidium. Guten Morgen.

Hänsch: Guten Morgen Frau Ensminger.

Ensminger: Herr Hänsch, haben Sie auf die Vorlage des Entwurfs gewartet? Herrscht nun so was wie Aufbruchstimmung?

Hänsch: Es herrscht so etwas wie Aufbruchstimmung. Ich selber habe darauf gedrängt, dass dieser Entwurf eines Gerüsts für die Europäische Verfassung so früh wie möglich vorgelegt wird, früher als heute. Aber ich habe ja auch mitgearbeitet an diesem Gerüst, und ich bin sehr froh, dass wir das jetzt dem Konvent vorlegen konnten. Es enthält doch eine Menge Neuerungen.

Ensminger: Zu den Neuerungen kommen wir gleich. Erstmals hat gestern Joschka Fischer am Konvent teilgenommen. Zeichen, dass es jetzt tatsächlich ernst wird?

Hänsch: Das könnte man so werten und ich werte es auch so. Es ist ganz klar geworden, dass für die Bundesregierung europäische Politik und die Reform der Europäischen Union ein Schwerpunkt geworden ist, eine Priorität geworden ist. Und das kann ich nur begrüßen.

Ensminger: Sie haben es gesagt: Es gibt Neuerungen. Über welche Teile sind Sie denn besonders erfreut?