Es kommt nicht auf die Wirtschaft an, sondern aufs Image. In zwei Wochen wählen die Amerikaner einen neuen Kongress, und nach den Bilanz- und Korruptionsskandalen um Enron und Worldcom, Tyco und Global Crossing ist der Kampf gegen korrupte Manager ein wichtiges Wahlkampfthema. Prompt polterte George W. Bush: "Die Zeit der falschen Profite ist vorbei", und hatte damit Erfolg. Seine Republikaner gelten laut Umfragen als Rächer der Betrogenen, während die oppositionellen Demokraten als inkompetent dastehen.

Das ist gut für Bush, aber schlecht für das Land. Denn in Wahrheit hat der Präsident wenig bewirkt. Sicher, Manager haften jetzt persönlich für ihre Bücher, einige wenige Betrüger hat die Polizei unter Aufsicht des Fernsehens in Handschellen abgeführt. Aber das eigentliche Problem, die lange gewachsene Kultur aus garantierten Fantasiegehältern, Optionsscheinen und goldenen Ausstiegsklauseln, hat sich kaum geändert.

Mehr Kompetenzen für die Wertpapieraufsicht SEC? Auf dem Papier hat sie diese bekommen, aber klammheimlich hat das Weiße Haus das nötige Budget zusammengestrichen. 300 bis 400 dringend erforderliche Stellen könnten nicht besetzt werden, klagt die Behörde.

Eine neue Aufsicht für die Wirtschaftsprüfer? Die hat bisher weniger mit Betrügern als mit Geldproblemen zu kämpfen. Und den allzu reformfreudigen Kandidaten für den Chefposten, John Biggs, haben die Republikaner gerade demontiert.

Kein Wunder. Mit wenigen Ausnahmen hat das US-Business keine Lust auf umfassende Reformen. Und da die Unternehmen zu den klassischen Förderern der Republikaner zählen, zeigt sich die Regierung gefügig. Hinter den Kameras stimmt sie ihre Stammklientel milde, verspricht Steuersenkungen, Subventionen, neue Gesetze zur Haftungsbegrenzung und bremst den Reformeifer. Und baut gleichzeitig darauf, dass sie vor den Kameras die Wähler vom Gegenteil überzeugen kann. Die Umfragen deuten darauf hin, dass sie es geschafft hat.