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Literarisch arbeiten hieß für Arno Schmidt keine launige Spielerei im Betrieb der Kulturphilister; ihm war Schreiben plebejischer Ernst: die Verbundenheit mit jenen, die immer bezahlen müssen mit dem einzigen Besitz des Menschen, seiner Zeit zu leben.

Kleinbürgerliches Milieu

Ein Schriftsteller schreibe über das Milieu, das er am besten kennt. Arno Schmidt, 1914 als Sohn eines Polizisten und einer Hausfrau in Hamburg geboren, lernte früh sein Milieu verachten, die ärmlichen Verhältnisse der Schlagerhörer, Kinogänger, der Groschenheftleser mit ihrer verkitschten Gefühlswelt voll Bigotterie und verkrampftem Sex, die Fußballfanatiker in ihrer kryptoschwulen Afterwelt und die Attitüden von Macht, die man nicht hat: das zeitenresistente Milieu der Kleinbürger. Schmidt gehörte selbst zu diesem Milieu, doch es war ihm allzeit bewusst. Mehr noch, mit aller Konsequenz hat er sich selbst als das brauchbarste literarische Studienobjekt begriffen. Daher sehen in seinen Büchern die männlichen Helden dem Verfasser in jeder Beziehung oft sehr ähnlich.