Am Anfang war die Bruderbüchse. Schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts, lange vor der Einführung der gesetzlichen Sozialversicherung, mussten die Bergleute im Saarland einen Teil ihres Einkommens in eine Gemeinschaftskasse - die Bruderbüchse - einzahlen. Aus diesem Guthaben wurden dann die Bergleute bei Krankheit und im Alter unterstützt. Nach diesem Vorbild helfen bis heute Unternehmen aller Branchen ihren Mitarbeitern bei der Altersvorsorge. Doch in den von New Economy und Aktienoptionen geprägten späten neunziger Jahren verlor die traditionsreiche Betriebsrente an Bedeutung. Hatten in den westdeutschen Industriebetrieben im Jahr 1987 noch 72 Prozent der Arbeitnehmer Anspruch auf Betriebsrente, waren es zwölf Jahre später nur noch 64 Prozent.

Dieser Trend wird sich wieder umkehren. Mit neuen Regeln und steuerlichen Anreizen im Rahmen der Rentenreform hat der Gesetzgeber die betriebliche Altersvorsorge wieder attraktiv gemacht. Seit Beginn des Jahres hat jeder Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, einen Teil seines Gehalts in einen betrieblichen Vorsorgesparplan umwandeln zu lassen. Bei der Pensionskasse darf er zum Beispiel derzeit bis zu 2160 Euro seines Einkommens im Jahr steuerfrei einzahlen. Doch trotz des Rechtsanspruches haben bislang viele Unternehmen die Entscheidung auf die lange Bank geschoben. So ergab eine im Juni veröffentlichte Studie der Hamburg-Mannheimer Versicherungsgruppe: Nur die Hälfte der mittelständischen Unternehmen wollte sich um das Thema Altersvorsorge kümmern. "Die abwartende Haltung ist aber inzwischen vorbei", sagt ein Sprecher der Hamburg-Mannheimer, der einen Grund für die schleppenden Entscheidungen in der Bundestagswahl sieht. "Aufgrund des Wahlausgangs sind jetzt keine größeren Gesetzesänderungen mehr zu erwarten." Die Unternehmen arbeiten daran, ihren Mitarbeitern noch mit der Zahlung des Ende November fälligen Weihnachtsgeldes die Möglichkeit zur Gehaltsumwandlung zu bieten.

Zusätzlich zum Modell der pauschalbesteuerten Direktversicherung haben Arbeitnehmer überdies jetzt die Möglichkeit, Gehaltsanteile steuerfrei in Pensionskassen oder -fonds einzuzahlen. Allerdings haben die variantenreichen neuen Spielregeln nicht nur Vorteile. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer stehen vor einer verwirrenden Vielfalt möglicher Modelle und Produkte.

Am einfachsten zu handhaben ist für alle Beteiligten die klassische Direktversicherung sowie die Pensionskasse. Bei der Direktversicherung fließen die umgewandelten Anteile aus Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld in eine kapitalbildende Lebens- oder Rentenversicherung. Besteuert werden diese Zahlungen lediglich mit 20 Prozent plus anteiliger Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag, Sozialversicherungsbeiträge werden erst ab dem Jahr 2009 erhoben. Die ohnehin niedrigen Steuern lassen sich sparen, wenn die umgewandelten Beiträge in eine Pensionskasse fließen. Das sind Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VvaG), die das Geld ihrer Mitglieder so sicherheitsbewusst wie eine Lebensversicherung anlegen müssen - nur maximal 35 Prozent dürfen sie in Aktien stecken. Bislang gab es Pensionskassen vor allem in Großbetrieben, nun haben sich viele Anbieter auch für Mittelständler und Kleinbetriebe geöffnet.

"Für die Pensionskasse sprechen vor allem die einfache Handhabung, die Flexibilität bei der Einzahlung und die niedrigen Verwaltungskosten", sagt Volker Henkel, Geschäftsführer des Versorgungswerks vom Bundesverband der mittelständischen Wirtschaft. Der Arbeitnehmer hat die Wahl, ob die Gehaltsumwandlung steuerfrei - und dafür mit etwas höherer Besteuerung im Rentenalter - oder pauschal versteuert erfolgen soll (siehe Tabelle). Wer darüber hinaus noch die Riester-Zulage kassieren will, kann auch aus dem versteuerten und sozialversicherten Nettoeinkommen zusätzliche Einzahlungen in die Pensionskasse leisten.

Manche Betriebe bieten auch Vorsorgemodelle über eine Unterstützungskasse an. Diese Einrichtung wird von einem oder mehreren Betrieben getragen und fungiert als Treuhänder für die eingezahlten Beiträge. Das Geld kann (im Gegensatz zur Pensionskasse) auch riskanter angelegt werden; die Höchstgrenze von 35 Prozent Anlagen in Aktien oder Aktienfonds gilt bei dieser betrieblichen Altersvorsorge nicht. Allerdings muss der Arbeitgeber einspringen, wenn sich die Kasse verspekuliert hat und am Ende der Ansparzeit nicht wenigstens das eingezahlte Kapital vorhanden ist. Daher müssen Betriebe, die Unterstützungskassen betreiben, dem Pensionssicherungsverein (PSV) beitreten und dort in den Rentensicherungsfonds einzahlen. Aus diesem Fonds werden Renten weitergezahlt, wenn Arbeitgeber und Unterstützungskasse Pleite gehen.

Neu auf dem Markt sind Pensionsfonds, die nach angelsächsischem Vorbild im Extremfall das gesamte Fondsvermögen am Aktienmarkt investieren dürfen. Auch hier haftet der Arbeitgeber wegen des höheren Kapitalmarktrisikos für Verluste im Fall eines Börsen-Crashs und muss die Lücke zum ursprünglich eingezahlten Kapital schließen, wenn die Fondsgesellschaft dazu nicht in der Lage ist. Deshalb ist der Arbeitgeber verpflichtet, sich gegen die eigene Insolvenz beim PSV abzusichern.