Welcher Aktionär träumt nicht davon, einmal in seinem Börsenleben eine Microsoft zu kaufen, wenn selbst der Unternehmensgründer noch nichts vom gigantischen Erfolg ahnt. Einmal eine EM.TV oder MobilCom auf dem langen, süßen Weg nach oben konsequent zu halten - und dann rechtzeitig abzustoßen.

Einmal alles auf eine Karte zu setzen und zu gewinnen: Träumen ist erlaubt. Doch derart einseitige Investmententscheidungen sind Zockerei und keine sinnvolle Anlagestrategie. Wer setzt schon sein gesamtes Hab und Gut in der Spielbank auf eine Zahl?

Die Vorzüge eines möglichst breit gestreuten Anlagevermögens wurden bereits 1964 von William F. Sharpe theoretisch belegt. Seitdem wurde seine Theorie, für die er später den Nobelpreis erhielt, in der Praxis bestätigt. Börsianer sagen etwas flapsiger: "Lege nicht alle Eier in einen Korb." Langfristig hat nur der Erfolg, der diversifiziert anlegt - in mehrere Aktien, Anleihen und Immobilien.

Die Portfoliotheorie von Sharpe besagt, dass sich die erwartete Rendite jeder risikobehafteten Anlage aus einer risikolosen Verzinsung und einem Risikozuschlag zusammensetzt. Dieser wird dem Anleger für die Übernahme des jeweiligen Marktrisikos gewährt. Das Risiko entsteht beispielsweise durch konjunkturelle Einflüsse, Zinsentscheidungen, Terroranschläge, Naturkatastrophen oder veränderte politische Rahmenbedingungen. Während sich diese Risiken innerhalb des jeweiligen Marktes nicht umgehen lassen, lässt sich die Gefahr einer Aktienanlage verringern. Man muss nur das Vermögen geschickt auf verschiedene Investitionsobjekte verteilen. Durch die Mischung aller am jeweiligen Markt verfügbaren Wertpapiere lassen sich die firmenspezifischen Gefahren gar ganz umgehen.

Schaufeln oder Sonnenschirme?

In der Theorie würde deshalb jeder Investor das so genannte Marktportfolio kaufen und mit einer sicheren Anlage kombinieren. Die sichere Anlage sind heimische Staatsanleihen. Wie hoch der Anteil der Anleihen im Depot ausfällt, liegt an der persönlichen Risikoliebe. Je mehr man die Sicherheit liebt, desto mehr Staatstitel hält man. Doch das Marktportfolio zu kaufen ist in der Praxis unmöglich. Nicht nur, weil die Transaktionskosten ins Unendliche gingen, sondern schlicht, weil Aktien und andere Vermögensgegenstände nicht teilbar sind. Nahezu perfekte Ergebnisse lassen sich aber bereits dann erzielen, wenn die Anzahl der miteinander gemischten Wertpapiere hoch genug ist und - viel entscheidender - die Anlageobjekte einen möglichst geringen Gleichlauf der Kurse aufweisen. So bringt es wenig, wenn ein Depot nur aus Aktien von DaimlerChrysler, BMW und VW besteht. Alle Automobilbauer reagieren auf eine Absatzkrise in der Branche negativ. Die Korrelation dieser Werte wird deshalb nahe eins liegen. Mischt man dagegen die Aktien eines Schneeschippenherstellers mit der eines Sonnenschirmproduzenten, wird die Korrelation - zumindest bezüglich langfristiger klimatischer Schwankungen - negativ ausfallen. Wenn die eine Aktie fällt, steigt die andere.

Noch vor einem Jahrzehnt war die breite Diversifikation vor allem für Kleinanleger nur über Investmentfonds möglich. Inzwischen bietet der Finanzmarkt vielfältige Produkte, die es auch informierten Privatanlegern ermöglicht, den Vermögensaufbau in die eigene Hand zu nehmen. Die Indexfonds sind ein gutes Beispiel dafür. Bei geringen Kosten und mäßigem Aufwand kann der Anleger mittels dieser Produkte an der Wertentwicklung des zugrunde liegenden Aktienindex teilhaben - und zwar fast eins zu eins. Gleichzeitig ist für eine hinreichend große Streuung der Aktienengagements gesorgt. So gibt es bereits börsengehandelte Indexfonds, die in rund 700 Unternehmen aus dem Weltaktienindex von MSCI investieren. Sie decken fast 85 Prozent der weltweiten Börsenwerte ab und kommen damit dem von Sharpe formulierten Ideal recht nahe: der Investition ins Weltmarktportfolio.