Wem es hineinregnet, der wird vernünftigerweise das Loch nicht mit Schindeln schließen, die an anderer Stelle auf dem Dach zu fehlen drohen. Genau dieser Art Schadens- ökonomie bedient sich aber das Bundesfinanzministerium, wenn es jetzt überlegt, was so an Steuervergünstigungen alles gestrichen werden kann. Darunter auch die Abzugsfähigkeit für Spenden - wenngleich nur für jene, die von Körperschaften erbracht werden, also von AGs und von GmbHs.

Deutsche Unternehmen fördern gemeinnützige Einrichtungen mit erheblichen Summen, vielfach in Gestalt von direkten Spenden, die absetzbar sind. Deswegen ist das Spenden ja auch attraktiv. Immerhin 600 Millionen Euro sind es nach Schätzung des Stifterverbandes der deutschen Wissenschaft pro Jahr, Geld der Wirtschaft, das dem Umweltschutz und der Jugendarbeit zugute kommt, dem Sozial- und Hochschulwesen - und nicht zuletzt der Kultur. Streicht man das Steuerprivileg an dieser Stelle, tröpfeln 151 Millionen Euro 2003 in Hans Eichels schlaffen Staatssäckel. Wieso das schaden soll?

Nun, ein Schaden entsteht, weil die Neigung zum Spenden noch schneller schrumpfen wird als die Schätzungen des Wirtschaftswachstums. Für 2006 erwartet Eichel sogar 281 Millionen aus dieser Quelle. Das setzt bis dahin eine Verdoppelung des Spendenaufkommens voraus. Glaubt das jemand? Der Bundesfinanzminister sollte an wichtigerer Stelle Optimismus zeigen.

Den Spendenausfall für kulturelle Institutionen und Fördereinrichtungen werden vor allem Städte und Gemeinden spüren. Firmen, die Kultur unterstützen wollen, müssen sich in Zukunft aufs Sponsoring verlegen. Sobald sie eine Gegenleistung fordern - das Firmenlogo auf dem Plakat, die Erwähnung im Programmheft -, können sie ihre Aufwendungen als Betriebskosten geltend machen. Schlecht für Kunst, die solche Werbeflächen nicht anbieten kann oder will.

Wirklich schädlich ist aber das von diesem Vorhaben ausgehende gesellschaftspolitische Signal. Der Kanzler redet seit Jahren von der Stärkung des bürgergesellschaftlichen Engagements: mehr Mitgestaltung, mehr Eigenverantwortung und so weiter. Im Koalitionsvertrag steht's auch noch mal. Die Spendenabzugsfähigkeit abzuschaffen verdirbt Unternehmen jede Lust, großzügig und engagiert zu sein. Sie sind nun einmal wichtige zivilgesellschaftliche Akteure und hatten das Wort von der corporate citizenship gerade erst gelernt.

In einem Brief an den Kollegen Eichel unterstreicht der scheidende Kulturstaatsminister Nida-Rümelin die Tragweite des Problems: "Diese Streichung stellt die Glaubwürdigkeit unserer Politik zu Förderung und zum Ausbau der Zivilgesellschaft massiv in Frage." Das ist doch ein klares Wort zum Abschied.