Denn der Vermittler entscheidet nicht, sondern hilft den Beteiligten lediglich, die beste Lösung für beide Seiten zu finden. Am Ende der Mediation hat man - anders als beim Gerichtsurteil - nicht etwa ein Recht erworben. Und dennoch, hat Eidenmüller festgestellt, würden Mediationsvereinbarungen weit besser erfüllt als juristisch erstrittene Urteile.

Überdies ist auch der Maßstab für Erfolg bei der Mediation ein gänzlich anderer: So erweist mancher Manager, der vor Gericht einen Sieg erringt, damit seinem Unternehmen, seinen Mitarbeitern und Aktionären in Wahrheit einen Bärendienst. "Abseits der Rechtspositionen gibt es oft weit bessere Lösungen - selbst für den Prozessgewinner", sagt Christian Duve, Anwalt im Frankfurter Büro der Sozietät Fresfields Bruckhaus Deringer und einer der renommiertesten Mediatoren Deutschlands. Jüngst erst hat Duve zwischen einem Software-Hersteller und einer Firma vermittelt, die für diesen die Kundenberatung übernommen hatte. Beide stritten vor Gericht um Bezahlung und Schadensersatz. Vorwurf des Software-Herstellers: Die Beratungsfirma habe Leistungen abgerechnet, die sie gar nicht erbringen sollte. Im Mediationsgespräch ließ Duve die beiden Manager und ihre Anwälte nicht nur die Rechtspositionen, sondern auch ihre jeweiligen wirtschaftlichen Interessen auf Flipcharts notieren. Erst da begriffen die Beteiligten: Sie hatten ein gemeinsames Problem. Würde der Software-Hersteller den Gerichtssaal als Sieger verlassen, triebe er die Kundenberatung in die Pleite - und ginge selbst weitgehend leer aus. "Diese Erkenntnis brachte den Durchbruch", sagt Duve, "danach arbeiteten beide plötzlich konstruktiv an einer Lösung." Und fanden sie auch. Vielleicht scheuen deutsche Unternehmensvertreter die Mediation nicht nur aus mangelndem Blick für die betriebswirtschaftlichen Vorteile. Die Berliner Mediatorin Andrea Fritsch sagt: "Selbst bei großen Streitfällen spielen verletzte Gefühle, gekränkte Eitelkeiten oft die entscheidende Rolle." Doch das gestehen sich die Widersacher in der Regel nicht gern ein. Auch im Mediationsgespräch, so Fritsch, würden die Beteiligten zunächst heftig mit Sachargumenten ringen. Oft erst nach Tagen, häufig im Einzelgespräch, rückten die Beteiligten dann mit Zorn, Wut, Verletztheit heraus. Da sei mancher dann selbst erstaunt, was in ihm brodele, was die eigentlichen Motive des Streites seien. Eine Erkenntnis, der sich Streithähne vor Gericht nicht stellen müssen.

Für Briten ist Verhandeln Pflicht

Um deutschen Managern Mediation näher zu bringen, müsse man mit "Zeugen überzeugen", mit Praktikern aus den Betrieben, die eine solche Vermittlung selbst erlebt haben, hat der Kölner Eckhard Eyer festgestellt. "Es hat keinen Sinn, als Mediator Unternehmen anzurufen und ihnen Mediation anzubieten: Das kennt keiner, das will deshalb auch keiner." Gerade erst sind Modine-Chef Koch und sein einstiger Widerpart, der Gewerkschafter Schmidt, gemeinsam auf Reisen gegangen, sind zum Arbeitgeberverband nach Duisburg gefahren, um den versammelten Unternehmen die Möglichkeiten von Mediation zu erläutern.

Der Durchbruch in Sachen Mediation werde in Deutschland noch Jahre auf sich warten lassen, schätzt Eidenmüller. Wirklich auf die Sprünge helfen könnte wohl nur der Gesetzgeber. Konkrete Pläne dazu gibt es nicht. Dabei hat der britische Premier Tony Blair vorgemacht, wie man die Zahl der Mediationsverfahren auf einen Schlag verfünffacht: Per Gesetz hat er die Unternehmen verpflichtet, in allen Phasen eines Streitfalls zu prüfen, ob anstelle eines Prozesses auch eine außergerichtliche Einigung möglich ist. Die Konsequenzen dieser Regelung bekam Anfang des Jahres das britische Bahnunternehmen Railtrack zu spüren, das mit einer Pferdebesitzerin stritt. Die hatte Railtrack verklagt, weil ihre Tiere durch ein unverschlossenes Bahngatter auf die Schienen geraten und von einem Zug getötet worden waren. Obwohl Railtrack den Prozess in beiden Instanzen gewann, musste es nicht nur die eigenen Prozesskosten, sondern auch die der Gegnerin zahlen. Begründung der Richter: Railtrack habe die hohen Kosten des Gerichtsverfahrens vollkommen unnötig verursacht. Die preiswertere Mediation hätte es genauso gut getan.