Gartenarbeit entspannt. Sie ist sogar, das habe ich oft gelesen, praktische Meditation. Vermutlich überlassen die Verfasser solcher Artikel das Schneckenzerschneiden dem Personal, aber Recht haben sie trotzdem.

Gemächliches herbstliches Blätterharken kann wunderbar erholsam sein. Draußen riecht's nach Pilzen, die Steuererklärung ist weit, die Gedanken schweifen losgelöst im Hier und Jetzt - bis rundum die Laubsauger einfallen.

Turbinengetriebene, gerüsselte Monster, die sich unter Wahnsinnsgebrüll alles einverleiben, was nicht schnell genug fliehen kann, um es mit integriertem Hochleistungshäckselwerk zu einer amorphen Masse zu zerkleinern: bedauernswerte Kleinstlebewesen, winterschläfrige Amphibien, den einen oder anderen schockstarren Kleinsäuger. Zurück bleibt, was die Werbung einladende Sauberkeit bis in den letzten Winkel nennt: ein schutzloser Boden, über den Igel, Rotkehlchen & Co unbehaust und ihrer Nahrung beraubt umherirren. Bei den schweren Kalibern, die es immerhin auf Luftgeschwindigkeiten bis zu 260 km/h (plus entsprechender Lärm- und Abgasentwicklung) bringen, sehe ich hinterher immer vorsichtshalber nach, ob mein kleiner Terrier noch auf meiner Zaunseite ist.

Ich hasse diese Dinger, und dabei gehöre ich nicht einmal zur Fraktion der Gartenfundamentalisten. Zwar habe ich auf die üblichen elektrischen Accessoires vom Rasenmäher aufwärts verzichtet, nachdem ich aber meiner wuchsfreudigen Riesenhecke per Hand den Winterschnitt verpasst hatte, scheiterte ich kläglich am Versuch, etwa zwei Kubikmeter Äste mit der Rosenschere auf komposttaugliche Kürze zu bringen. Irgendwann hatte ich eine Sehnenentzündung im Arm und einen Häcksler im Schuppen. Dessen Lärm steht zumindest in einem ungefähr angemessenen Verhältnis zum Nutzen, was man von Hightech-Turbinensaugern auf Kleingrundstücken kaum behaupten kann, finde ich. Für das akustische und ökologische Desaster, das der allherbstliche Sauberkeits-Overkill mit sich bringt, würde ich, spätestens nach einer halben Stunde zwangsweisen Mithörens, nur zu gern drakonische Strafen einführen.

Urlaub in einer Zahnarztpraxis schiene mir da durchaus angemessen.

Harken geht schneller und schont Umwelt und Nerven gleichermaßen. Ich weiß, wovon ich rede: Wenn ich das Laub mehrerer großer Bäume längst auf den Kompost gebracht habe, jault es drüben immer noch. Statt praktischer Meditation bleibt nur Zorn: Welcher Sadist hat diese Ungetüme bloß erfunden?

Und vor allem: wozu? Für den psychopathischen Lustgewinn, wehrlosen Mitmenschen beliebig lange Fonstärken in die Gehörgänge rammen zu dürfen, für die ein Motorradclub umgehend aus dem Verkehr gezogen würde?