Als Komponist ist Frederik Zeller eher ungeduldig. Vom "Verweile doch, du bist so schön!" ist er ebenso weit entfernt wie vom Durchdeklinieren eines selbst gesetzten Regelwerkes. Der Vorteil für das Publikum ist: Es bekommt Stücke von handlichem Format, wird nicht beständig in die Grenzbereiche der Wahrnehmung genötigt ("fiept da noch die Geige, oder ist's die Klimaanlage?")

und kann sich an einer hohen Ereignisdichte erfreuen. Das Orchesterstück Spalt von 1998 (gespielt vom Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken unter Michael Stern) ist typisch für seinen Stil, ist eine Verkettung musikalischer Situationen, die rasch aufeinander folgen und zwanglos Momente impressionistischer Sattheit in zitternde Klangflächen überführt.

Auch die Klangfarbenmelodien bilden sich unter Zellers Händen in leuchtender Schönheit, gleiten von einer Instrumentengruppe zur nächsten, nehmen Fahrt auf und legen sich mit Schwung in die Kurve ... Zeller pflegt die Kunst des Übergangs und gestaltet sie leicht nachvollziehbar - so plausibel wie der Lichtwechsel über einer Landschaft im Zeitraffer.

Die CD (Wergo 65512) gehört zu einer Reihe, durch die der Deutsche Musikrat junge Komponisten porträtiert und ihnen nebenbei zu einer klingenden Visitenkarte verhilft. Sie enthält sieben Stücke, die ein Profil erkennen lassen und den 1965 geborenen Komponisten als Angehörigen einer Generation zeigen, die sich in der Wahl ihrer Materialien nicht mehr an Ge- oder Verbote hält und bei aller Vielfalt dennoch nicht der Beliebigkeit anheimfällt.

Dass Zeller weder Verrätselungskünstler noch Klangverweigerer ist, zeigt Winter Ade, ein Stück für vier Gitarren, aufs deutlichste. Den sattsam bekannten Winter aus Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten unterzieht er einem Update: Die Vorlage ist stets präsent, der Drive bleibt ebenso wie die Momente kristallener Kälte bewahrt. Durch kleinere Schönheitsoperationen eliminiert Zeller die Längen seines Vorgängers und fügt noch einige Erkenntnisse heutiger Klangsprachen hinzu. Mit den vier Gitarren (des Aleph Gitarrenquartetts) lässt sich auch eine Menge Zauber anstellen, etwa wenn sie dem Hörer von rechts und links ihre Triller, Arpeggien oder Flagoletts um die Ohren geben. Auch hier kippen die Situationen ineinander und bauen sich zu einer Spannungskurve eigener Richtung zusammen. Frederik Zeller verfügt über das, was man in anderen Branchen das "richtige Timing" nennt - ein seltenes Talent.