Ein Vergnügen ist die Lektüre des Herbstgutachtens nicht gerade. Was die sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute der Republik Anfang der Woche über die Konjunktur verkündeten, stimmt alles andere als optimistisch. Da fallen Begriffe wie Stagnationspfad, anhaltende Talfahrt, erneute Rezession und Deflation. Entsprechend düster sind die Prognosen für 2002 und 2003: In diesem Jahr wächst das Bruttoinlandsprodukt um 0,4 Prozent, im kommenden Jahr um 1,4 Prozent, die Arbeitslosigkeit steigt weiter. Sagen die Institute.

Einerseits.

Andererseits muss nicht alles so kommen, wie es die klugen Köpfe prophezeien.

Gerade in den vergangenen Jahren lagen sie ziemlich falsch mit ihren Vorhersagen. Im Sommer 2001 zum Beispiel ging das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin für dieses Jahr noch von einer "spürbaren Erholung der Konjunktur und einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent" aus.

Wäre schön gewesen. Noch zum Jahreswechsel tippte das Kieler Institut für Weltwirtschaft wacker auf eine Wachstumsrate von 1,2 Prozent. Auch das war zu optimistisch, um wahr zu sein.

Wozu aber brauchen wir Gutachten, die derartige Irrtümer im gesetzlichen Auftrag alljährlich im Frühjahr und im Herbst unters Volk bringen?

Bei dem zum Ende jeden Jahres in der ZEIT dokumentierten Vergleich zwischen Prognose und Realität schneiden die Gemeinschaftsgutachten der sechs Forschungsinstitute meist nicht besonders gut ab. Die Institute für sich genommen sind nicht besser, und auch der Sachverständigenrat liegt oft weit neben der Wirklichkeit.