Umberto Eco: Sämtliche Glossen und Parodien

aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber und Günter Memmert

C. Hanser Verlag, München 2002

586 S., 12,90 e

Eco ist der Klassenprimus unter den Intellektuellen: Er weiß alles, er kann alles, es gelingt ihm alles, wovon andere nur träumen - sogar einen veritablen Bestseller zu schreiben, den er allerdings (er weiß auch alles besser) einen "best sold" nennen würde: Das sind die Bücher, "die sich eine Zeit lang größter Beliebtheit erfreut haben, wie die barocken Ritterromane oder Onkel Toms Hütte". Die Sehnsucht des Elitemenschen nach Popularität: Mit dem Namen der Rose hat sie immerhin einen ansehnlichen Bastard hervorgebracht. Als Glossist ist Umberto Eco überschätzt. Da er, wie alles, so auch um seinen Ruf als enervierender Alleskönner weiß, versucht er ihn hier sanft zu konterkarieren: Er gibt sich relaxed, wird auf eine onkelhafte Art übermütig, biedert sich dem Common Sense an. Der ist ein schlechter Maßstab für Witz und Originalität, daher münden selbst interessante Denkansätze meist in eher flache Pointen: Offenbar ist die Glosse für einen derart komplexen (und ausgewogenen) Denker nicht die geeignete Gattung.

Glossen, Parodien und Travestien werden ja erst spannend, wenn sie übers Ziel hinausschießen, wenn sie "die Leidenschaft für das Mittelmaß" hinter sich lassen, wenn sie den anrüchigen oder verbotenen Gedanken nicht scheuen. Ecos Problem als Glossenschreiber aber ist, dass er geliebt sein möchte. Manchmal riskiert er den Affront, etwa wenn er den Erfolg des Films Titanic mit den "paar Pfunden zu viel" erklärt, die Kate Winslet auf die Waage brachte. (So bildete der Star eine Schicksalsgemeinschaft mit Monica Lewinsky: der Sex-Appeal des Pummelchens.) Erkauft ist diese Sottise durch ein konsensfähiges Lob des Hollywood-Schinkens

man will das Publikum eben nicht letztgültig vor den Kopf stoßen. Wer weiß, wozu man es noch braucht.