Aus der Einladung erfahre ich, dass sich heute Abend die Nationalbibliothek in Zagreb, vor der ich stehe, auf unglaubliche Weise mit der VW-Manufaktur Dresdens vereinigen wird. Denn erstens sind beide aus Glas. Und zweitens stellt Phaeton sich als Aushängeschild des hoch technologischen Aufschwungs in Ostdeutschland vor. Bitte nicht rauchen. Aufschwung?, frage ich die Umstehenden. Was hat das mit Kroatien zu tun? Am Ende des roten Teppichs knacken der Botschafter und sein Stellvertreter mit den Fingern, bereit, ein paar hundert Hände zu schütteln.

Im Herbst ist Saison für Steinpilze und deutsche Feste, in München, Berlin und Leipzig, warum nicht auch in der kroatischen Hauptstadt. Anwesenheit ist Dienstpflicht. Hostessen kreisen uns ein, schlank und stolz, mit starken Nasen. Wir Gäste sind in der Überzahl, aber klein und dick und damit beschäftigt, nach oben zu schauen. Drei Mädchen in weißen Flugkostümen und ein Typ im Smoking baumeln an Seilen von der Decke. Besonders im Oktober, verkündet der deutsche Botschafter, gelte es allerorts, dem weltbekannten Ruf aus Dresden zu folgen: Wir sind das Volk! Aus Dresden? - Phaeton, Phaeton, flüstert es überall.

Solange ich trotz des Sauerkrautdunstes vom Büfett noch bei Bewusstsein bin, beeile ich mich, eine Kurznachricht an meinen Freund F. zu tippen.

Deutschland präsentiert sich im Ausland, schreibe ich, brauche Hilfe, schnell! F. übernimmt einen Rechercheauftrag in Sachen Phaeton. Sohn des Helios, antwortet er umgehend. Wollte unbedingt Papis Sonnenwagen fahren. Kam von der Fahrbahn ab und hätte fast die Erde abgefackelt. 100 000 Euro. -

Schadensersatz? - Nein, Anschaffungspreis.

Der Typ am Seil rauscht kopfüber durch das Dach eines Papierpavillons, auf dessen Wänden in schnellem Wechsel Projektionen bekannter Politiker erscheinen. Trittin, Tito, Thierse, Tudjman und die anderen. Die Flugmädchen strampeln heftig an ihren Seilen, um die Reste des Papiers zu zerreißen.

Macht eine Tombola!, ruft ein Witzbold. Phaeton sieht aus wie ein aufgeblähter Passat. Ich hatte erwartet, dass zur Ablenkung eine nackte Frau auf der Motorhaube sitzen würde, aber die Deutschen sind hässlich und die Kroatinnen katholisch. F. spürt meine Unruhe über vier Länder hinweg und ruft an. Ich werde von zwei Hostessen des hiesigen Mobilfunkanbieters geschnappt und telefonierend an eine exponierte Stelle verbracht.