Bert Neumanns Bühnenbild wird sicher Epoche machen. Eigentlich kann man kaum von einem Bühnenbild reden, es handelt sich um einen Totalumbau des Theaters.

In Frank Castorfs szenischer Bearbeitung von Dostojewskijs Roman Der Idiot sitzen die Zuschauer in den Kämmerchen eines Stundenhotels auf der Drehbühne der Berliner Volksbühne, während sich um sie herum und dort, wo einst der Zuschauerraum war, die "Neustadt" erhebt, ein Konglomerat aus Containern und Buden, die einen Friseursalon, einen Kiosk, ein Casino und dergleichen mehr darstellen. In diesen Räumen spielt sich die Handlung ab, den Blicken des Publikums entzogen. Über Monitore und Leinwände muss das Geschehen großteils verfolgt werden. Hier werden die Seh- und Sitzgewohnheiten gleich gruppenweise aufgebrochen! Thema von Dostojewskijs Roman ist eigentlich der vergebliche, verzweifelte Widerstand der russischen Seele gegen die kalte Zivilisation des Westens. Es stehen Gemeinschaft gegen Individualismus, Mystizismus gegen Aufklärung, religiöse Brüderlichkeit gegen kapitalistische Tauschbeziehungen - doch merkwürdigerweise arbeitet die fast sechsstündige Aufführung die brisanten Elemente aus diesem Material nicht heraus. Frank Castorf zerbricht die Handlung in lauter kleine Grotesken, die trotz hoher Spektakelwerte nach einiger Zeit ziemlich mühsam wirken. Mag sein, dass er sich vom Rausch der ersten Begeisterung über seine neuen Spielzeuge hat ablenken lassen, nach einer Weile nerven die Monitore und Kameras allerdings gewaltig. Und am Ende ist die Entourage des Fürsten Myschkin (Martin Wuttke) auch wieder nur so eine Horde überagierender Maniker.