Es scheint mir fair, meine erkenntnisleitenden Interessen vorab zu nennen.

Also: Ich verabscheue französische Romane. Ich sah nie einen französischen Film, den ich nicht a) vorzeitig mit dem Gefühl verlassen hätte, das Leben sei zu kurz, um es auf diese Weise zu verbringen, oder in dem ich nicht b) nach spätestens 15 Minuten eingeschlafen wäre. Französische Philosophie ist mir zuwider, weil sie mich an Proseminare erinnert, in denen hässliche junge Männer sich wichtig taten, die vorgaben, Sätze wie Nun muss es aber eine Übereinstimmung zwischen dieser lethalen Funktion des narrativen Wissens einerseits und den Funktionen der Ausbildung der Kriterien zur Vereinheitlichung der Kompetenzen und der sozialen Regulierung, die wir zuvor zitiert haben, andererseits geben (Lyotard, Das postmoderne Wissen) seien a) zu verstehen und b ) von Bedeutung. Schließlich kann ich mir eigentlich keine Anfechtung vorstellen, unter der ich ein französisches Auto kaufen würde.

Der Citroën C3, die so genannte neue Ente, hatte es also nicht ganz leicht im Angesicht einer solchen Republik von Vorurteilen. Und war dann, vielleicht auch wieder nicht gar so überraschenderweise, doch ein netteres Auto, als ich erwartet hätte. Oder vielmehr: Was es daran zu mäkeln gibt, hat gerade nichts mit irgendwelchen nationalen Eigenheiten (etwa Launenhaftigkeit oder Verruchtheit) zu tun.

Für einen Grundpreis von 11 500 Euro ist der C3 ein fürwahr riesiger Kleinwagen. Die Broschürenprosa, die die wie bei einem Helikopter gewölbte Panorama-Windschutzscheibe preist, mag zwar zu unrealistischen Vorstellungen verleiten: Pilotengefühle kommen im Cockpit nun doch nicht auf. Aber die Fahrerin thront sehr erhaben über dem Restverkehr - der gefühlte Überblick erinnert an den Mercedes-Transporter, der beim letzten Kindergeburtstag zum Einsatz kam. Der Luftraum über dem Kopf ist erheblich. Bei der Exclusive-Variante (14 890 Euro) kommt noch ein extrem wandelbarer Kofferraum hinzu, der es erlaubt, schmutzige Gummistiefel oder die Streu für den Meerschweinchenkäfig unter einem faltbaren Zwischenboden zu verstecken.

Die Höhe des Autos (1,67 Meter), die nach der A-Klasse oder dem Audi A2 zu linsen scheint, hat allerdings ihren Preis: prekäre Stabilität. Es hatte doch einen Sinn außer reiner Spießigkeit, Pkw eher flach zu bauen: In der norddeutschen Tiefebene wird das Fahrzeug heftig von den kräftigen Windböen gebeutelt, die dort nicht nur zu dieser Jahreszeit vorkommen. Besonders deutlich wurde das auf dem Weg zu einem Sonntagsbrunch in Osterrönfeld, einem kleinen Ort ziemlich in der Mitte von Schleswig-Holstein, wo sich diese Böen gern versammeln. Natürlich (wahrscheinlich) kann der C3 nicht wirklich umkippen. Aber wenn man zum Beispiel (ohne dass irgendjemand daran schuld wäre) etwas später aufgebrochen ist als geplant und ihn deshalb zu jenen knapp 170 Stundenkilometern treten musste, die er mit viel gutem Willen erreicht, dann ist das Schlingern nennenswert.

Was fehlt: Romantik und Sozialneid

Dafür erregt der Wagen aber wenigstens keinen Sozialneid. Dem Fahrer des knapp vor uns einparkenden Mercedes rief der unter den Brunchgästen weilende Ex-CDU-Landeschef ein herausforderndes Was fahrt ihr denn für eine Kapitalistenschüssel? entgegen