Der Tourist, wenn man nicht gerade massenhaftes Erscheinen von ihm verlangt, ist ein weniger schreckhaftes Wesen, als die Reiseveranstalter glauben. Erste vorwitzige Exemplare wagen sich meist schon kurz nach einem Terroranschlag wieder in gefährdetes Gebiet. Als vor ein paar Jahren im Südwesten Sri Lankas das Telegrafenamt von Kalutara in die Luft flog, erloschen die Lichter in dem wenige hundert Meter entfernten Strandhotel. Was taten die Gäste? Sie entzündeten Kerzen, um auf der Terrasse die Pläne für den nächsten Ausflug zu studieren.

Sie ließen sich auch unterwegs nicht entmutigen, als sie feststellen mussten, dass ihr Quartier in Kandy ebenfalls einem Attentat zum Opfer gefallen und vollständig ausgebrannt war. Ein wenig ächzend nahmen sie ihr Gepäck und gingen erst einmal in das nächste Restaurant, wo die Essnäpfe mit einem schmierigen Lappen ausgewischt wurden, der offenbar für die Zufuhr der ortsüblichen Krankheitskeime sorgen sollte. Wer nach Sri Lanka fährt, weiß, was er tut. Er fährt in den Bürgerkrieg. Er muss mit Krankheiten rechnen

übrigens auch mit Schlangen. Nirgendwo auf der Welt sterben mehr Menschen an ihren Bissen. Trotzdem fahren die meisten Touristen immer wieder hin. Mit anderen Worten: Das Risiko ist bekannt und kalkuliert, und es verrät keineswegs irrationales Verhalten, sich darauf einzulassen.

Auch in der Pariser Metro gehen Sprengsätze hoch

hat man je gehört, dass deshalb die Stadt gemieden würde? Was war mit London, als dort die IRA bombte? Welcher Mensch, der auch nur einigermaßen bei Trost ist, wird glauben, dass ausgerechnet Deutschland von dem Terror der Islamisten verschont bleiben wird? Und übrigens braucht es den Import von Gewalttätern nicht

hierzulande schaffen Schüler schon, wozu andernorts Selbstmordattentäter ausgebildet werden müssen. Wir leben, kurzum, in einer unfriedlichen Welt, und wer die Gefahr eines gewaltsamen Todes ausschließen will, muss hoffen, gar nicht erst geboren zu werden.

Darum haben die Touristen an der türkischen Südküste Recht, sich durch keine Warnung oder kein polizeiliches Gebot davon abhalten zu lassen, weit auf kurdisches Gebiet vorzudringen, um eine byzantinische Festung zu besichtigen.