Auch nach dem Machtwechsel von 1998 schien es, als sei Rot-Grün schon gleich zu Beginn am Ende. Doch hielt die Koalition vier Jahre lang. Und jetzt heißt der Kanzler abermals Schröder - Rot-Grün hat eine zweite Vier-Jahres-Chance. Bevor die Regierungserklärung amtlich verkündet wird, rasch drei kleine Vorschläge für die alten Neuen.

Erstens: Von der Illusion, nur auf Wachstum zu vertrauen, daraus schöpfen und verteilen zu können, sollte sich die Koalition rasch verabschieden. Dass ein Bündnis von Sozialdemokraten und Grünen nur auf Zeiten ökonomischen Zuwachses zugeschnitten sei, ist kein Naturgesetz. Wer sonst hat denn über die Grenzen des Wachstums, über Natur und Energie, über Lebenschancen für künftige Generationen oder über einen fairen Interessenausgleich zwischen dem Norden und Süden der Welt frühzeitig nachgedacht? Die Traditionskompanien der Parteien waren es jedenfalls nicht.

Die Bundesrepublik ist immer noch ein wohlhabendes Land. Nur: Noch wohlhabender wird sie so schnell nicht werden. Unübersehbar geht es heute um eine Politik des Weniger. Wer das als Verzichtsideologie beschimpft, stellt sich blind. Ein bloßes "Weiter so", aber unter "Finanzierungsvorbehalt" reicht nicht. Es geht nicht um Konjunkturprogramme, die ein besseres Wirtschaftsergebnis und damit mehr Verteilungsmasse erzeugen. Die Einsicht in die Grenzen des Wachstums und die Aussicht auf gezielte Veränderungen des Sozialstaates lassen sich miteinander verbinden. Es gibt eben nicht nur einen Pfad der Modernisierung. Der Zwang zur Bescheidenheit und zur Reform enthält auch eine politische Chance.

Die Republik igelt sich ein

Zweitens: Joschka Fischers Talente in Ehren, aber man wünschte sich dringend eine Regierung, die internationaler denkt. Provinziell ist diese Republik aus einem ganz anderen Grund als gern behauptet wird. Nur: Mit Soldaten im Kosovo, in Afghanistan, am Horn von Afrika ist der Nachweis, dass sie ihre "gewachsene außenpolitische Verantwortung" wahrnimmt, allein nicht geliefert.

Der Blick geht immer noch zu sehr nach innen. Die sehr deutsche Irak-Debatte bestätigt diesen Befund. Außerdem: Unsere Märkte (wie die der Nachbarn) sind für Importe aus dem Süden oder Osten im Zweifel immer noch tabu.

Während nicht nur in Europa, sondern überall Ent-Grenzung stattfindet, igelt die Bundesrepublik sich ein. Dabei weiß auch der Kanzler sehr wohl, wie stark die Globalisierung seine Agenda bestimmt. Dass er von einem "deutschen Weg" geredet hat, war nicht nur dem Wahlkampf geschuldet. Dahinter mag auch die Überzeugung von der weitgehenden Autonomie des Nationalstaates lauern. Bloß lässt sich auf "deutschem Wege" immer weniger erreichen.