Der Mann ist in Hawaii aufgewachsen, ein Amerikaner japanischer Abstammung, und hat ein Vermögen mit Surferzubehör und Immobilien gemacht. Behauptet er. Doch sein größter Erfolg ist ein Business-Buch, das er 1997 geschrieben hat und anfangs an einer Tankstelle auslegte. Aber irgendwie stieg "Rich Dad Poor Dad" zum internationalen Mega-Bestseller auf. 13 Millionen Exemplare hat er verkauft, das Buch gehörte 110 Wochen lang zu den Top-5-Bestsellern in der New York Times, es ist in 37 Sprachen übersetzt worden. Auch ins Deutsche. Auf der ganzen Welt gibt es Heerscharen von Fans. Und heute, Live at Madison Square Garden, verspricht der Meister nun wirklich eine echte Enthüllung: "Wie die Reichen immer Reicher werden, und wie Sie das auch können", stand auf der Einladung. Es geht los, sie haben einen Einpeitscher auf die Bühne geschickt. "Begrüßen Sie bitte mit einer stehenden Ovation: Robert Kiyosaki !" Vorhang auf, Spot an.

Und schwungvoll auf die Bühne marschiert ein untersetzter Typ mit rosigen Wangen. Gekleidet ist er in einen korrekten dunklen Anzug, auf der Nase sitzt ihm eine dicke schwarze Brille, mit dem Mikrofon hat er Schwierigkeiten. "Können Sie mich hören?", fragt er. "Lauter, lauter", ruft das Publikum. Aber es dauert nicht lange, da redet er sich warm und in die Herzen seiner Zuhörer. Wie er im Vietnamkrieg Hubschrauberpilot wurde, obwohl er es gar nicht musste (Applaus). Wie er die Schule nie bis zum Ende besuchte, weil "schlechte Schüler irgendwann für die guten Schüler arbeiten". (Applaus). Weil die dümmsten Bauern immer die dicksten Kartoffeln finden? Kiyosakis leiblicher Vater, ein gebildeter Mann, riet ihm zum Studium und zu einem ordentlichen Job. Aber der Sohn hielt sich lieber an den wohlhabenden Vater eines Freundes und nannte ihn "Rich Dad". Viel Monopoly hätten die zwei zusammen gespielt.

Dann passieren merkwürdige Dinge in der Halle. Es dauert ziemlich lange, bis Kiyosaki endlich vom Reichwerden redet, aber offensichtlich stört es keinen. Das Publikum weiß schon selber bescheid. "Verbindlichkeiten", sagt Kiyosaki und macht eine Kunstpause. "Nehmen Geld aus unserer Tasche", antwortet die Halle. Applaus. "Die Rente ist in Gefahr", sagt Kiyosaki. "Weil die Leute länger leben", antwortet die Halle. Man merkt es gleich: Bei schwierigeren Antworten bricht eine Art Wettbewerb um das zackigste Vorbeten aus. Um Sekundenbruchteile und Lautstärke geht es. Als Katholik schielt man da gleich nach den Kniebänkchen. Erfolglos. "Nehmen Sie sich jetzt bitte 15 Sekunden, um das mit Ihrem Nachbarn zu diskutieren", sagt Kiyosaki. Die Halle schnattert über Rentenpläne und gibt einander Zeichen des Friedens.

Gleich nebenan sitzt ein junges Pärchen. "Wir sind heute Abend extra aus Vermont nach New York gekommen", erzählt Brad, ein Ingenieur bei IBM. Seine Frau Victoria war einmal Lehrerin und ist jetzt Hausfrau, und "sie ist viel unternehmerischer als ich". "Ja, und ich war immer schlecht in der Schule", sagt Victoria. Im großen Börsencrash ist es ihnen ergangen wie Millionen Amerikanern: Ihre Altersrücklagen sind geschrumpft, von 70,000 Dollar auf 48,000 Dollar. Sie wollen ihr Geld zurück und haben heute Abend alles mitgeschrieben. "Lassen Sie uns eine finanzielle Arche für die schlechten Zeiten bauen", fährt Kiyosaki vorne auf der Bühne fort und liefert endlich auch konkrete Tipps. Große Kreditkartenrechnungen machen arm. Immobilien sind eine sichere Sache (wohl mal abgesehen von der amerikanischen Immobilien-Spekulationsblase). Es wird bald noch einen Crash geben, "weil das ein Naturgesetz ist", aber vielleicht auch nicht. Cash Flow ist, wenn Geld hereinkommt, und das ist gut. Die staatliche amerikanische Rentenversicherung wird zusammenbrechen (was er fehlerhaft vorrechnet).

Und siehe da: Kiyosaki ist gekommen, um zu helfen. "Ein Börsencrash schrickt nur finanziell Ungebildete", glaubt er, und schlaue Finanzfüchse gäben daher jetzt viel Geld für finanzielle Fortbildung aus. Man müsse aber aufpassen, wem man da sein Vertrauen schenkt. In der Pause, im Buchhandel und auf den Kiyosaki-Firmenwebsite ("lernen und shoppen") gibt es den richtigen Stoff: 14 Nachfolgebücher zu "Rich Dad Poor Dad". Ein Brettspiel namens "Cash Flow 101" für 195 Dollar. Ratgeber und Seminare persönlicher Finanzberater im Dienste des Meisters ("Rich Dad Community"). Ein kapitalistisches Kinderspiel. Videokassetten über den richtigen Dreh beim Immobilienkauf. "Zwei weitere Bücher sind in Vorbereitung", verrät Kiyosaki später im Gespräch und birst überhaupt vor Tatendrang: "Ich gebe den Leuten Hoffnung". Gerne auch den Deutschen. "Sie haben in Deutschland ein riesiges Problem - es ist alles zu sozialistisch, die Leute verlassen sich zu sehr auf den Staat", sagt Kiyosaki. "Warten Sie 20 Jahre ab, dann wissen Sie, was ich meine".

Okay, aber vorher bauen wir eine finanzielle Arche. Um mitten in der Krise dickes Geld zu verdienen. So wie Robert Kiyosaki.

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