Seitens tschetschenischer Sprecher scheint bisher nur bestätigt, dass sich das einzige Ultimatum auf sieben Tage bezieht: Komme die russische Regierung der Forderung, dem Abzug der russischen Truppen aus Tschetschenien, bis dahin nicht nach, würden die Geiseln getötet.
Gewiss ist, die Geiselnehmer fordern, fortan nur noch mit einem Ansprechpartner zu verhandeln, der den russischen Präsidenten vertritt.

Der stellvertretende Innenminister Russlands dementiert derweil die ebenfalls im Laufe des Freitags veröffentlichte Meldunge, die Geiselnehmer würden am Samstag mit dem Morgengrauen beginnen, Geiseln zu erschießen, sofern den Forderungen nicht nachgekommen würde. Dies sei reiner Psychoterror.

Der Inlandsgeheimdienst sichert den Rebellen derweil Unversehrtheit zu, ließen sie die Geiseln frei. Im Laufe des Tages durften 15 Geiseln, darunter acht Kinder, das Theater verlassen. Dennoch scheint die Situation aussichtslos. Es war zugesichert worden, dass 75 ausländische Geiseln am Freitag in die Freiheit kommen sollten. Diese Hoffnung wurde enttäuscht.
Der Russland-Experte Alexander Rahr kommentiert: "Der russische Präsident Putin hat vor dieser Situation einiges in die Wege geleitet, um die Krise in Tschetschenien zu entlasten", sagt dieser, "Jetzt steht er mit dem Rücken an der Wand." Es sei nicht möglich, die Armee innerhalb weniger Tage aus Tschetschenien abzuziehen. Putin sich wie ein Judoka verhalten: Warten bis zur letzten Sekunde und dann reagieren: "Es gibt eine Chance, Blutvergießen zu vermeiden." Nach einer Krisensitzung am Freitag erklärte Putin, ein Ziel der Rebellen sei es, die Völkerverständigung zu unterbinden. Dies werde er verhindern.
Präsident Putin sitzt zwischen allen Stühlen. Doch der selbstbewusste Politiker kann letztlich nicht zurück. Für ihn käme ein Nachgeben einem Offenbarungseid gleich.