Acht von zehn Deutschen rechnen immer noch in Mark statt in Euro. Sieben von zehn verstehen das gesetzliche Rentensystem nicht. Die meisten zahlen zu viel für ihre privaten Versicherungen.

Und Sie? Glauben Sie wirklich, sich mit Geld auszukennen?

Wenn die Lebensversicherer demnächst wieder Post verschicken, lesen es Millionen Kunden schwarz auf weiß: Es gibt einen Unterschied zwischen Garantiezins und Gewinnbeteiligung. Wer aber weiß, dass eine gekürzte Gewinnbeteiligung gleich mehrere zehntausend Euro ausmachen kann?

Wenn elf Millionen deutsche Aktionäre in diesen Tagen ihr Depot kontrollieren, sehen sie vor allem eines: rot. Kaum eine Aktie, die nicht abgestürzt ist, kaum ein Investmentfonds, der noch Gewinn abwirft. Binnen 18 Monaten wurden in Deutschland fast 600 Milliarden Euro Aktienkapital vernichtet. Verführt hat die Anleger der Werbespruch der Investmentgesellschaften, man müsse nur monatlich Fondsanteile kaufen, dann würden über die Jahre hinweg selbst schwere Kursschwankungen ausgeglichen. Ein teurer Irrtum. Verstehen wir tatsächlich, wie die Börse funktioniert?

Dabei ist Geld doch nur Papier, und es zusammenzuhalten gar nicht so schwer. Dachten wir. "Es gibt keine finanzielle Allgemeinbildung", sagt Jürgen Steiner, Professor für Finanzwirtschaft an der Universität Passau. "Nur Einbildung."

So ergeht es uns wie Analphabeten auf dem Bahnhof. Solange es Lautsprecherdurchsagen gibt und Schaffner uns den Weg weisen, finden wir den richtigen Zug - selbst wenn wir die Schilder nicht lesen können. Was aber, wenn die Lautsprecheranlage ausfällt? Wenn uns der Schaffner zum falschen Gleis schickt?